Muss die ZEIT wirklich so viele Seiten uns armen Österreichern, also unserem lieben Jörgl Haider widmen?

Ich wundere mich seit vielen Jahren, dass alle Medien entrüstet jeden Flatus dieses Kärntner Provinzrüpels seitenlang beriechen, um sich hinterher verwundert zu fragen, wieso dieser Maulbursche so wichtig und erfolgreich ist.

Ich verstehe sehr gut, dass Medien dazu da sind, Phänomene zu registrieren und zu analysieren, aber ich denke, ein Bruchteil der aufgewendeten Druckerschwärze würde für den Fall Haider genügen. Er ist auch nicht so sexy, dass man ihn ununterbrochen abbilden muss. Hier sollte ein Bilderverbot eingehalten werden, wie es Armin Thurnher vom Wiener Falter (übrigens das intelligenteste Blatt in Österreich) vorgeschlagen hat und seit langem einhält.

Paul Flora, Innsbruck

So sicher es ist, dass der Nationalsozialismus in Deutschland nicht monokausal zu erklären ist, so sicher ist aber auch, dass er nicht wegen eines Übermaßes an Widerstand und aus einer Trotzreaktion heraus seinen Siegeszug hat antreten können. Ich glaube, dass nur ein entschiedener Widerstand und handfeste Nachteile die Mitläufer einer Bewegung zur Umkehr veranlassen können

den harten Kern erreicht man sowieso nicht.

Es scheint, als gäbe es so etwas wie ideologische Urstromtäler, die über Jahrzehnte trocken und brach liegen können und infolge einer veränderten Großwetterlage wieder zum Leben erwachen. Ein solches Urstromtal scheint von Wien über München nach Berlin zu verlaufen. Aber dieses Mal soll die braune Brühe nicht über München hinausgelangen, und Theo Sommers These von den trügerischen historischen Analogien setze ich das Motto aus dem Vorwort der Hitler-Biografie von Ian Kershaw entgegen: "Nur über die Geschichte können wir für die Zukunft lernen."