Es glich einem historischen Schauspiel, als der amerikanische Präsident Clinton und seine Vorgänger Ford, Carter und Bush sich zum letzten Abschied vor König Husseins Sarg verneigten. Das Aufgebot an Staats- und Regierungschefs sowie Würdenträgern aus aller Welt war beeindruckend - die größte Delegation war die israelische. Und wäre es nicht ein islamisches Begräbnis gewesen, an dem Frauen nicht teilnehmen, wäre auch Maggie Thatcher gekommen, denn Hussein gehörte zu den wenigen (Staats-) Männern, die sie respektierte. Draußen auf den Straßen beklagten die Jordanier den Verlust ihres an Krebs gestorbenen Königs, der sie 46 Jahre regiert und ihrem Land politische und wirtschaftliche Stabilität beschert hatte. Die Königliche Leibgarde trug den Sarg zu Grabe: Ihr Salut kennzeichnete das Ende einer Ära.

Wer diese bewegenden Szenen im Februar 1999 nicht verfolgt hat, kann sie nun in Roland Dallas' Biografie nachlesen. Der Autor, jahrelang Auslandskorrespondent der Reuters-Nachrichtenagentur und heute Leiter des Foreign Report, beschreibt den Werdegang dieses erstaunlichen Politikers, der das Geschehen im Nahen Osten und den Friedensprozess wie kaum ein anderer beeinflusst hat. Hussein (arabisch: der kleine Schöne) wurde 1953, gerade erst 18 Jahre alt, zum König gekrönt. Er erbte ein Reich, das die britische Mandatsmacht künstlich geschaffen und erst 1946 in die Unabhängigkeit entlassen hatte. Während der Nahostkriege 1948 und 1967 flohen Hunderttausende von Palästinensern über den Jordan ins haschemitische Königreich. Heute besteht Jordaniens Bevölkerung zu 60 Prozent aus Palästinensern, was die israelische Rechte stets zu der Behauptung veranlasste: "Jordanien ist Palästina."

Hussein hat Militärakademien in England besucht, aber nie studiert. Er "war klug, aber kein Intellektueller", so Dallas. Mit bewundernswertem Geschick lernte der kleinwüchsige König rasch, mit den widerstreitenden innenpolitischen, arabischen und ausländischen Mächten zu jonglieren und dabei stets auch seinen eigenen Vorstellungen zu folgen. Sein oberstes Ziel war das Überleben der Haschemiten-Dynastie. Er brachte es fertig, zugleich überzeugter Araber und Freund des Westens zu sein. Das Maß der Beziehungen passte er der jeweiligen politischen Situation an. Der Westen, insbesondere Großbritannien und dann die USA, belohnte seine Treue durch regelmäßige Finanzspritzen und militärische Unterstützung. Viele Araber beschimpften ihn deshalb als "Marionette der Imperialisten".

Schon 1963 begann der Pragmatiker Hussein heimlich mit den Israelis zu sprechen. Dennoch ließ er sich 1967 von Ägypten in den für die Araber desaströsen Krieg gegen Israel hineinziehen. "Ich bin Araber, ich muss daran teilnehmen", soll er gesagt haben. In Wahrheit herrschte schon ab den siebziger Jahren ein De-facto-Frieden zwischen Israel und Jordanien: "Jahrelang war Jordaniens vertraglich nicht fixierte Verständigung mit Israel König Husseins ultimative Überlebensgarantie." Für Israel war Jordanien ein Puffer zur feindlich gesinnten arabischen Welt. Erst nachdem die PLO mit den Israelis 1993 ein Friedensabkommen unterzeichnet hatte, war auch für Hussein der Weg frei für einen, häufig als voreilig kritisierten, offiziellen Friedensschluss mit den Israelis (1994).

Dallas beschreibt das schwierige Verhältnis zwischen Jordanien und der PLO.

Hussein soll sich in dieser Frage lange zögerlich "wie Hamlet" (Carter) verhalten haben. Jordanien hatte das Westjordanland von 1948 bis 1967 besetzt und war auch anschließend noch für einige Verwaltungsbereiche zuständig. Erst 1988, nach Ausbruch der Intifada, löste Hussein schweren Herzens alle rechtlichen und administrativen Bindungen zum Westjordanland auf und überließ das Verhandlungsfeld gänzlich der PLO. Dennoch trat er weiter für die Rechte der Palästinenser ein und forderte unermüdlich eine internationale Konferenz zur Beilegung des Konflikts.

Im Inland überlebte Hussein rund 30 Attentate, zahlreiche Umsturzversuche und die Machtspiele diverser politischer Gruppierungen vor allem deshalb, "weil er in sich quasidemokratische und autokratische Züge vereinte". Als Oberhaupt einer konstitutionellen Monarchie gestand Hussein der Bevölkerung politisch relativ viele Freiheiten zu - messbar an der für arabische Verhältnisse recht freien Presse des Landes. Das Parlament war indes "kein Souverän, die oberste Gewalt ging allein vom Haschemiten-König aus". Bis Anfang 1998 hatte Hussein 55 Regierungen verschlissen. Die Opposition, vor allem die Islamisten, grenzte er nicht aus, sondern bezog sie in die parlamentarische Arbeit ein.