In New York würde jeder einen herben Prestigeverlust hinnehmen müssen, wenn er zugäbe, dass er Zeit hat. Dass er müßig ist, auch nur für ein paar Stunden nichts zu tun hat - das würde ihn auf der Stelle ins soziale Abseits befördern. Es käme gesellschaftlichem und beruflichem Harakiri gleich.

In New York stürzt das Ansehen von Leuten ins Bodenlose, wenn sie sich zu einem Lebensstil bekennen, der sich nicht durch ständige Hektik auszeichnet.

In New York muss man den Eindruck erwecken, permanent unter Stress zu stehen.

Stress ist mehr als ein Statussymbol: Er ist die Voraussetzung, überhaupt New Yorker zu sein.

Entspannt zu wirken ist von Nachteil, schürt Misstrauen. Sorgloses Auftreten ist in Manhattan ein Stigma und kein Vorteil. In einer Stadt, in der Erfolg daran gemessen wird, dass jeder freie Augenblick gefüllt wird, bedeutet freie Zeit, dass man nicht erfolgreich ist.

Keine Zeit für Muße, für die Familie, für Freunde zu haben ist ein Zustand, den die New Yorker anstreben. Es ist ein Zustand, um den einen andere beneiden, ein Zustand, den zu erreichen sie miteinander wetteifern.

Jedermann, vom Manager bis zum Arbeitslosen, erzählt am liebsten, wie gestresst er ist. Sie alle sind permanent beschäftigt und in Eile. Sie müssen in eine Sitzung oder zu einer Fortbildungsmaßnahme oder haben tausend andere Dinge zu erledigen.