Das Opfer ist schwarz, die Täter sind weiß, das Gericht entscheidet auf Freispruch - der Fall, der in diesen Tagen New York erregt, passt ins gängige Klischee von den USA. Mitten in der Nacht wurde der Immigrant Amadou Diallo im vergangenen Jahr von 41 Kugeln durchlöchert, vier Polizisten schossen auf den unbewaffneten Mann. Jetzt konnten sie den Gerichtssaal als freie Männer verlassen. Die mehrheitlich weiße Polizei fühlt sich bestätigt, Bürgermeister Rudi Giuliani triumphiert, Harlem kocht. Und Rassismus ist das Wort der Woche.

Wenn es doch so einfach wäre. Natürlich haben die weißen Polizisten übereilt geschossen. Und doch gehörten nicht allein sie auf die Anklagebank. Denn längst zeigt die Erfahrung: Eine Polizei ohne Kontakt zu ihrem Viertel, die schwer bewaffnet durch die Stadt rast, neigt dazu, Nachbarschaften mit Nahkampfgebieten zu verwechseln. Ein Bürgermeister, der das nicht sieht, trägt die Verantwortung für die tödlichen Folgen. So besehen, scheint die deutsche Polizeiwache von nebenan plötzlich sehr modern.