Vor zehn Jahren war es mit dem Kommunismus plötzlich vorbei. Das konnte man unter anderem daran merken, dass sie in Berlin darum stritten, die Dimitroff-Straße in Donald-Duck-Straße umzubenennen. Natürlich wurde daraus dann nichts, und auch ein Helmut-Kohl-Platz und eine Katrin-Krabbe-Allee blieben den Berlinern erspart, weil die hauptstädtische Straßennamenverordnung es verbietet, öffentlichen Raum nach lebenden Personen zu benennen (Helmut Kohl war damals noch sehr lebendig). Im Übrigen aber entbrannte im Land, durch das einst der Eiserne Vorhang ging, ein heftiger Straßenkampf. Allein in Berlin sind seither über fünf Dutzend kommunismusverdächtige Straßen umgetauft worden: die Clara-Zetkin- zur Dorotheenstraße, die Lenin- zur Landsberger Allee, die Wilhelm-Pieck- zur Torstraße. Verschwunden sind aus dem Straßenbild überall in den neuen Bundesländern leider auch so schöne Namen wie Straße der jungen Pioniere und Straße der deutsch-sowjetischen Freundschaft. Die Einzelhändler in der Wilhelm-, vormals Otto-Grotewohl-Straße nörgelten mächtig, weil sie kostenträchtig neue Adressen auf ihre Geschäftspapiere drucken lassen mussten. PDS-Rentner ketteten sich an Straßenschilder. Und die Stadtplanverlage machten schöne windfall profits, weil sie halbjährlich Neuauflagen drucken und verkaufen konnten.

Das alles ist fast vergessen. Deutschland hat es nach dem Ende der Nazizeit zum zweiten Mal überstanden, dass Zeitenbrüche sich auch in Stadtplänen niederschlagen. Es herrscht wieder Frieden im Land.

Wirklich? In Düsseldorf, unweit des Rheins, fällt der Blick in diesen Tagen auf Straßenschilder, die den Namen Mannesmannufer tragen. Mannesmann? Das war jener Konzern, der einmal die ganze Welt mit Stahlrohren belieferte. Viel später, als das Rohr seine Schuldigkeit getan hatte (wie wortmächtige Wirtschaftsjournalisten das gern ausdrückten), trimmte ein weitschauender Vorstandschef die Firma auf Telekommunikationsdienstleistungen um. Wenig später wurde das Unternehmen dennoch von einem amerikanisch-britischen Konkurrenten geschluckt, und nicht wenige Leute glaubten, dass dies wiederum Zeichen einer Zeitenwende war: des Wechsels vom rheinischen zum angelsächsischen Kapitalismus.

Auch wenn sie es noch nicht wissen: In Düsseldorf haben sie nun ein Problem.

Wenn wir den ostdeutschen Landsleuten Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen, dann kann das Mannesmannufer nicht bleiben. Vodafone-Ufer, wollen wir das? Klaus-Esser-Promenade? Wie wäre es mit Straße der deutsch-britischen Freundschaft?