Sehr banal, diese Geschichte. Ein Mann in mittleren Jahren, glücklich verheiratet, Vater eines Mädchens, Tierarzt in einem holländischen Dorf, verliebt sich in eine Kundin (Patientin kann man nicht sagen, sie kommt ihrer Katze wegen), hat mit ihr eine verschwiegene, wilde, verzehrende Affäre, die ein Ende dadurch findet, dass der Mann in einem Verkehrsunfall gewissermaßen rechtzeitig stirbt.

Auf befremdliche Weise wird die Geschichte dadurch interessant, dass die holländische Schriftstellerin Margriet de Moor sie vollkommen anders erzählt.

Gleich am Anfang heißt es: "Nennen wir es mal die Geschichte einer Straße.

Die Welt besteht wahrhaftig nicht nur aus Geschöpfen mit Augen und Händen, das weiß jeder, weshalb also sollte die Hauptfigur einer Geschichte nicht auch eine Straße sein können?"

"Ja, warum nicht?", antwortet Margriet de Moor, und der Leser wundert sich über den altklugen Ton, in dem etwas Kindliches mitklingt, aber auch verborgene Tücke steckt. Später erst wird er merken, was es damit auf sich hat. Die Straße zum Beispiel führt vom Meer zu dem kleinen Dorf, wo der Mann lebt und wo die Tulpen- und Hyazinthenzüchter ihre Felder haben. Im Sommer kommen die Touristen, um das Blütenmeer zu bewundern und die festlichen Umzüge zu sehen. Auf dieser Straße ereignen sich immer wieder tödliche Unfälle. Vielleicht deshalb, weil sie so harmlos aussieht. Manchmal liegt es nur am Sand: "Dass der Wagen trotz funktionierender Bremsen weiterschoss, kam vom Sand auf dem Randstreifen. In den letzten Tagen war es trocken gewesen, aber es hatte ziemlich viel Wind gegeben, der den feinen weißen Sand vom Rand auf die Straße blies."

Der Zufall besteht aus Wind und Sand

So kommt Vincent zu Tode, durch einen Zufall, und der Zufall besteht aus Wind und Sand - so wie der Anfang dieser Liebesgeschichte durch einen Zufall zustande kam, durch einen banalen Taschenkalender, "so einer mit einem Kunststoffeinband und kleinen perforierten Dreiecken unten an jeder Seite, die tatsächlich bis zum heutigen Tag alle treu und brav abgerissen sind". Mit solchen Dingen, mit den scheinbar nebensächlichen, nimmt Margriet de Moor es genau. Sie liebt das zart Hingetupfte, worüber sie dann die frostigen Schauer ihrer Sentenzen jagt.