Für Schnitzeljagdleser eine amüsante Lektüre, für Bewunderer von Gerhard Roths Prosaarbeit (also für mich) enttäuschend: ein Krimi im Military Look, etwas aufdringlich politisch zurechtgeschminkt - Reporter sucht untergetauchten Zeugen eines Massakers in Srebrenica - spannend statt unheimlich, flott statt rhythmisch, koloriert statt farbig.

Offensichtlich hat Roth mit seiner Bild/Schnitt/Bild-Technik auf einen Film hin gearbeitet. Immer wieder werden zwischen die hastig absolvierten Hotel-Taxi-Klosterbesuch-Abenteuer seines Mini-007 hübsche Bildchen einmontiert, eine Tanzbärenvorführung, ein ägyptischer Markt mit exotischen Tieren, die unter den Sohlen mit Kreide nummerierten Stiefelpaare der Mönche an der Decke des Klostermagazins oder der griechische Fischer an der Mole, der die Tintenfische zu blasigweißem Schaum schlägt - man sieht die Großaufnahme, aber es ist so interessant wie die Schildkröten von Galapagos.

Zoom-Effekt statt epischer Balance.

Gerhard Roth, einer der bedeutenden österreichischen Gegenwartsschriftsteller, dessen Sprache sich stets durch eine ganz eigen vibrierende Melodik auszeichnet, hat sich hier zu einem so hurtig fabrizierten Text verführen lassen, dass selbst die stilistischen Details nicht stimmen: "Er suchte in seinem Parka das Mobiltelefon", wo man doch "suchen" nur in einem größeren Raum kann "Der Platz vor dem Kloster aus braunem Sand" - wohl eher der Platz war aus Sand als das Kloster weit draußen auf See - "an Bord" müssen wohl alle und alles sein - bringt jemand eine Flasche Ouzo "an Bord" statt "an Deck".

Es handelt sich um jene Art von Buch, das renommierte Autoren unter Pseudonym zu veröffentlichen pflegen.

Schnittig und banal Gerhard Roth: Der Berg S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000 307 S., 39,80 DM