Wie das so ist mit den Vorurteilen: Sie halten sich. Der Südeuropäer nimmt es mit der Pünktlichkeit nicht sehr genau, der Nordeuropäer spricht langsam und handelt bedächtig, ganz England trinkt um fünf Uhr Tee, und die Deutschen sind Reiseweltmeister.

Eigentlich ja ein recht annehmbares Image, schließlich fördert Reisen den Weitblick und wirkt auf die Dauer der Engstirnigkeit entgegen. Dennoch hinterlässt dieses manische Unterwegssein bei europäischen Nachbarn offenkundig einen bitteren Beigeschmack nach dem Motto: Wo man auch hinkommt - die Deutschen sind schon da. Okkupieren Sonnenliegen, die begehrtesten Plätze am Pool und latschen in kurzen Hosen ungeniert durch fremde Innenstädte.

Wie gesagt: ein Vorurteil. Denn wen auch immer die versammelte Kritikerschar da gesehen haben mag - wir waren es jedenfalls nicht. Dank einer unlängst von der Zeitschrift ideenMagazin unternommenen Feldforschung stellte sich nämlich heraus, dass die Bundesbürger ihre wohlverdiente Erholung weniger an exotischen Palmenstränden suchen als vielmehr in der heimischen Nasszelle.

Diese verblüffende Antwort gaben immerhin 66 Prozent von 1000 Befragten, was demoskopisch gesehen bekanntermaßen als repräsentativ gilt.

Die gute, alte Badewanne also, gefüllt mit wohl temperiertem Wasser und duftenden Ingredienzen, genügt den angeblichen Globetrottern völlig, um die arg strapazierte, weil viel zitierte "Seele baumeln zu lassen"? Exakt.

Wenngleich es zum Erreichen dieses glückseligen Zustands etlicher Vorbereitungen bedarf. Damit das echte Freizeit-Feeling mit voller Wucht einsetzen, der gemeinhin nüchtern gekachelte Raum zur "Oase der Ruhe" mutieren kann, muss er aufgemöbelt werden. Durch eine "wohnliche" Ausgestaltung beispielsweise, aber auch durch Muscheln oder Palmen. Womit ganz nebenbei bewiesen wäre, dass ein tief sitzendes Verlangen nach Abenteuer und Exotik selbst im komfortabelsten Ambiente nicht hundertprozentig zu unterdrücken ist.

Übrigens, die meisten baden solo. Auch dies ein irritierendes Resultat, wo doch bisher die These galt, dass sich der Bundesbürger am Massenstrand am wohlsten fühlt.