Das Verb "eliminieren" wird in zwei Sinnzusammenhängen benutzt. Es geht um Physik - oder um Menschen

es geht um entfernen, beseitigen, ausmerzen. Wenn das Wort in einem Brief mit dem Kopf der Jewish Claims Conference steht, ahnt ein jeder den Kontext: Naziterror, Judenmord.

Das galt bis vor ein paar Tagen. Jetzt bemüht sich jene Organisation, die seit Jahrzehnten die Interessen jüdischer NS-Opfer gegenüber der Bundesrepublik wahrnimmt, dem Wort eine weitere Bedeutung zu verleihen.

Der Definitionsprozess beginnt am Freitag der vorvergangenen Woche. In Kopenhagen laden dänische NS-Opfer zur Pressekonferenz. Sie wollen über die Bemühungen berichten, NS-Zwangsarbeiter zu entschädigen, über die endlosen Verhandlungen um den 10-Milliarden-Fonds von deutscher Industrie und deutscher Regierung. Geladen ist auch Klaus von Münchhausen. Dem Politikwissenschaftler von der Uni Bremen eilt in Dänemark ein legendärer Ruf voraus. Den Zeitungen entnehmen die Opfergruppen, dass Münchhausen quasi im Alleingang, finanziell nur von ein paar Philanthropen unterstützt, deutsche Industriegiganten vor Gericht zog und am Ende vor dem Bundesverfassungsgericht obsiegte. 3000 jüdische NS-Opfer hätten ihn um Hilfe gebeten

statt 15 Prozent Honorar - wie mancher Anwalt - berechne er nur eine Unkostenpauschale von drei Prozent, mit der er Telefon, Kopien und ein paar engagierte Studenten bezahle.

Drum will auch die dänische Gruppe der Zwangsarbeiter Klaus von Münchhausens Dienste in Anspruch nehmen. Doch zuvor soll Leslie Rabuchin, der Anwalt der jüdischen Gemeinde, weitere Erkundigungen über Münchhausen einholen. Er soll prüfen, ob die Elogen in der Presse übertrieben sind, ob es Münchhausen womöglich doch mehr ums Honorar geht denn um Gerechtigkeit. Rechtsanwalt Rabuchin fragt bei jüdischen Organisationen in aller Welt nach. Zwei Tage vor der Pressekonferenz schreibt die Jewish Claims Conference aus New York: "Dieser Mann ist ein Schwindler und versucht ganz einfach, die Zwangslage der Überlebenden auszunutzen." Einen Tag später erhält der Kopenhagener Anwalt ein weiteres, offenbar internes Schreiben der Jewish Claims Conference, diesmal mit einem Briefkopf aus Bukarest. Der dortige Repräsentant der Claims Conference, ein Mann namens Tanner, klagt, dass Münchhausen von den rumänischen Zwangsarbeitern 250 Vollmachten erhalten habe. Der Empfänger aus der Claims Conference notiert darunter in altmodischer deutscher Handschrift: "Ich bin einverstanden Münchhausen zu eliminieren. Tanner soll sagen wie?!!"

Hauen und Stechen: Wer darf die Zwangsarbeiter vertreten?