Als ich das erste Mal mit einem Mädchen im Bett lag, war es ... Hier stockt uns der Atem, weil es niemanden etwas angeht, wer das damals (o selige Stunde!)

gewesen ist. Und wenn auch alle Brünnlein der Redseligkeit fließen, alle Medien der intimsten Enthüllungen voll sind, Frau Nachbarin ihr Höschen zeigt und öfter auch noch mehr oder weniger, via Web-Kamera oder Talkshow, so bleibt das Recht auf Intimität ein großes demokratisches Grundrecht - obgleich es derzeit den Anschein hat, als wollte es keiner mehr haben.

Insofern sollten wir dem Herrn C. B. unser Mitgefühl nicht versagen, wenn er sich dagegen wehrt, dass Birgit Kempker in einem 1998 erschienenen literarischen Werk mehr als einmal, nämlich fast 300-mal, darauf anspielt, dass just er es gewesen ist, mit dem sie zum ersten Mal im Bett gewesen ist, damals, als beide je 19 Jahre alt waren.

Birgit Kempker muss jetzt ihr Buch Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag nach einem Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Essen (falls eine Berufung erfolglos bleibt) einstampfen lassen sowie ihrem ehemaligen Geliebten und/oder Beischläfer 5000 Mark Schmerzensgeld zahlen, was alles in allem für ein zentrales Initiationsritual unseres Lebens nicht zu teuer bezahlt ist.

In dem Kasus sind einige Fehler gemacht worden. Wenn wir den Ursprung ("Als ich das erste Mal ...") nicht mitzählen, so beging C. B. den zweiten Fehler, indem er, offenbar mit Humorlosigkeit geschlagen, einen Prozess anstrengte, der dafür sorgte, dass sowohl das wenig beachtete Büchlein wie auch der erwähnte, nicht übermäßig sensationelle Vorgang weithin bekannt wurden, welchen Fehler wir nicht dadurch vergrößern wollen, dass wir seinen Namen nennen. Den Prozess also hat er gewonnen, aber verloren.

Den ersten Fehler hat Frau Kempker begangen. Wenn es auch wahr ist, dass ihr Prosagedicht (94 Seiten) alle Merkmale der Kunst erfüllt, auch wenn es poetische Purzelbäume schlägt ("Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag war es C. B., der war schön mit langen Locken, langen Fingern, bittrem Mund"), so hätte sie sich an Rumpelstilzchen erinnern sollen, das sich vor Zorn selber entzweiriss, als sein Name bekannt wurde.

Proust hat, als er in der Recherche den wirklichen Baron de Montesquiou porträtierte, ihm den Namen Charlus gegeben, und jeder wusste, wer gemeint war. Um die Spuren zu verwischen, lässt Proust einmal den Baron de Montesquiou auftreten, und Charlus hatte gewissermaßen ein Alibi.