Platte, Platte überall - und doch gab es in der DDR auch eine Architektur, die im endlos Gleichen das Besondere baute. Ulrich Müther zum Beispiel plante Häuser, die sich aller Erdenschwere entziehen wollen. An fast vierzig Orten der DDR errichtete er seine gewagt konstruierten Zeltbauten aus Beton und Glas, sein Pavillon "Ahornblatt" auf der Berliner Fischerinsel wurde gar zum Wahrzeichen einer befreit-befreienden Baukunst. Jetzt aber droht der Abriss, denn einem Investor aus Donaueschingen passt dieses Inbild der Andersartigkeit nicht ins Renditekonzept und den Berliner Städtebauern nicht in ihre Leitlinien vom reparierten Straßenraum, in dem alle Blockränder wieder brav geschlossen werden müssen. Zwar steht das "Ahornblatt" unter Denkmalschutz, doch das kümmerte den Senat nur wenig. Offenbar ist er froh, den Pavillon endlich loszuwerden - vielleicht auch deshalb, weil der Bau von einer heiteren, unberechenbaren, gerne vergessenen Moderne erzählt und sich damit dem grau-monotonen Feinbild der vielen Berliner Moderneverächter widersetzt. Die alte Eintönigkeit der DDR hatte Müthers Schalenhäusern noch eine Nische gegönnt, in der neuen Einförmigkeit des wiedervereinigten Berlins möchte man sie nicht mehr dulden.