Dass Intellektuelle sich mit einem Doktortitel schmücken, ist nicht ungewöhnlich. Kurios hingegen mutet der Gedanke an, sich zum Intellektuellen zu promovieren. Genau dies ist neuerdings an der Florida Atlantic University in Boca Raton möglich. Seit dem vergangenen Herbst dürfen sich an der staatlichen Lehranstalt Aspiranten für einen Promotionsstudiengang einschreiben, der Intellektuelle ausbilden will, die sich öffentlich engagieren.

Bedarf dafür scheint es zu geben. Auguren wie Richard Rorty, einer der führenden amerikanischen Philosophen, fordern die Rückkehr von Amerikas geistiger Elite auf die Straße. Mit sehnsüchtigem Blick verweisen die Mahner auf die goldene Epoche öffentlich engagierter amerikanischer Kopfarbeiter. In der Nachkriegszeit prägten New Yorker Denker wie Hannah Arendt, Gore Vidal oder Norman Podhoretz die Debattenkultur des Landes. Danach aber, mit dem Ende der Bürgerrechtsbewegung und der Vietnamproteste in den siebziger Jahren, zog sich das intellektuelle Gewissen der Nation politikfrustriert hinter schützende Universitätsmauern zurück.

Von der universitären Aussichtsplattform sehen viele Dozenten, die in den sechziger Jahren selbst noch auf den Straßen marschierten, die öffentliche Streitkultur in Amerika vor die Hunde gehen - keine Parteien, nur noch Einzelkämpfer, keine Schlachten mehr, nur noch Scharmützel seien auszumachen.

Gleichzeitig bilden die Hochschulen in ihren Doktorandenprogrammen hoch spezialisierte Geistes- und Sozialwissenschaftler aus, die, selbst wenn ihr Titel von einer der Eliteschmieden wie Yale oder Harvard stammt, mit ihrer verbrieften Fachintelligenz nicht selten ratlos in der Landschaft stehen. Wie sie ihr Wissen außerhalb des Campus anwenden können, haben sie nicht gelernt.

In dieser prekären Lage nutzte die Kulturwissenschaftlerin Teresa Brennan, die über den französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan geschrieben hat, eine einmalige Gelegenheit: Die Florida Atlantic University fragte bei ihr an, was sie mit zehn Millionen Dollar anfangen könnte, die ein Geschäftsmann aus der Region gestiftet hat. "Wenn es derzeit eine Lücke in der akademischen Ausbildung gibt, dann ist es die mangelnde Aufmerksamkeit, die intellektuellem Leben geschenkt wird", ließ die Feministin die Universitätsoberen wissen - und schlug einen Studiengang für öffentlich engagierte Intellektuelle vor. Keine geistige Haarspalterei um ihrer selbst willen sollte betrieben werden, wie die Programmkoordinatorin Brennan hervorhebt. "In unserem Programm wird Wissen gelehrt, das zum Handeln befähigt."

Die unkonventionelle Idee lockt bunte Vögel von überall her. Der erste Jahrgang hoffnungsvoller intellektueller Aktivisten besteht aus 20 Studenten aus Amerika, Venezuela und Frankreich. Alle kennen das Leben jenseits der Hörsäle. Es finden sich Journalisten unter den Doktoranden, Filmemacher, eine Lobbyistin, gar zwei ehemalige Professoren und ein früherer IBM-Manager. Das Alter reicht vom jugendlichen Endzwanziger bis zum pensionsnahen Sechziger.

Doch sie alle hat die Aussicht ins sonnige Boca Raton nahe dem berühmten Palm Beach gelockt, ihr öffentliches Engagement in der Zukunft mit dem notwendigen geistigen Rüstzeug zu versehen.