Etwa 20-jährig, verliebte sie sich in einen 33 Jahre älteren Konsistorialrat, dessen Predigt ihr so überaus gefiel: Ich hörte die Stimme eines Engels und Seelenworte, wie ich sie nie gehört, schrieb sie, zu diesem großen, einzigen, nie empfundenen Eindruck habe ich keine Worte - ein Himmlischer in Menschengestalt, stand er vor mir. - Den Nachmittag sah ich ihn, stammelte ihm meinen Dank ... Von dieser Zeit an waren unsere Seelen nur eins und sind eines: unser Zusammenfinden war Gottes Werk. Inniger können sich die Seelen nicht zusammen verstehen, zusammen gehören ... Ach, gewiß hat niemand seine heilige Seele so gekannt wie ich! - Ich fühlte ein nie empfundenes Glück.

Und er fand ebenso an ihr Gefallen: Ihr unschuldiges, einfaches, freies Gesicht, ihr blaues, stilles, fühlendes Auge, ihr leichter Körper, in jeder Stellung ganz Natur, ganz Munterkeit, ganz sanfte Zärtlichkeit und Anmut.

Sie schrieben einander lange Briefe: Ja mein ewig Geliebtester ..., der süße Gedanke, daß er mich mit allen meinen Fehlern lieb haben kann, daß er mein Engel sein will, das erhöht mehr als alle Erdenglückseligkeit! ... Ach! Wenn Du das fühlest, wie sehr meine ganze Seele, meine ganze Empfindung nur in Dir lebt, daß sie nimmermehr von Dir gehen kann, wenn sie mir dies reine, lautre göttliche Gefühl, das nur Seelen vereinigt, zutrauen, ach, mein Allerliebster, mein Einziger, dann küsse ich Deine Knie.

Sie war das fünfte Kind eines württembergischen Beamten nach dessen frühen Tod war sie mit 16 Jahren ins Haus ihrer verheirateten Schwester gekommen.

Jetzt antwortete ihr ewig Geliebtester etwas rätselhaft: Über Ihre Briefe, mein süßes Mädchen, geht nichts! gar nichts in der Welt! und über die Seele, die diesen Brief dachte? die in ihrer ganzen Denkart ein ewiger solcher Brief ist? O Gott, würdige mich doch einmal, würdige mich doch bald, eine solche Seele lebendig zur Schwester, zur Freundin, zur Bekannten, - wozu Du und sie wollt! - nur lebendig und ewig, und näher um mich zu haben. Es ist der Wunsch meiner Tage! der Traum meiner Nächte! - Aber solls ewig sein, meine Freundin, daß wir uns nicht verkennen wollen, indem wir uns verkennen, und uns wieder verkennen, wenn wir uns nicht wollen verkannt haben. Nehmen Sie, meine teuerste, so hoch geschätzte Freundin, hier mein ewiges Bekenntnis an, wie meine Seele nur dessen fähig ist, daß jeder Zug Ihres Bildes in meiner Seele mit Unschuld, Adel und Zartheit, der innigsten Zartheit der Freundschaft lebe, daß dies Bild mir ewig und immer so gegenwärtig sei, daß jeder Zug meines Briefes, der auch im mindesten nur anders laute, nie anders als Mißverstännis sein kann ...

Und weiter unten in diesem noch lang dahinfließenden Brief: Ich will bekennen, daß meine Briefe hie und da vielleicht nicht offen genug sein mögen. Das scheint auch sie manchmal empfunden zu haben, und eines Tages schrieb sie ihm, daß sie nicht zur Tändelei geboren sei, aber die letzten Jahre als Probezeit ihrer Liebe verstanden habe. Hätte ich Dich nie gekannt, was wäre aus mir geworden? Einsam! Verlassen! Du bist doch der einzige, den meine Seele so ganz umfaßt! O wie will ich Dich lieben, Du mein Schutzengel, mein Freund der Seele ... Du wirst Gutes tun und hundertfältige Frucht bringen.

Siehe, jedermann, wer Dich kennt, liebt Dich ... Ein halbes Jahr danach feierten sie Hochzeit. Es wurde eine gute Ehe vor allem durch sie, die acht Kinder zur Welt brachte: nach dem ersten Ehejahr Sohn Gottfried, nach dem dritten Jahr August, nach dem fünften kam Wilhelm, nach dem siebten Ehejahr Adalbert, dann nach gleichem Abstand Tochter Luise, drei Jahre nach ihr wieder ein Sohn, Emil, dem nach drei Jahren Alfred folgte und nach noch einmal drei Jahren als Letzter der Sohn Rinaldo.