Bildschirm, Bildschirm an der Wand, wer ist der größte Internet-Freak im Autoland? Nach diesem Motto überschlagen sich in diesen Tagen die Meldungen aus Detroit, Tokyo, Paris oder Stuttgart.

Angefangen hatte es damit, dass die Automobilhersteller das Netz als zeitgemäßes Medium der Verkaufshilfe entdeckten. Doch nachdem nun jede Marke ihre eigene Website hat, sich der Kunde sein Wunschauto am Schirm zusammenbasteln kann und sekundenschnell landesweite Gebrauchtwagenbestände im Blick hat, entdecken die Autobosse das Medium für die andere Seite ihres Geschäfts: den Einkauf.

Was steigende Umsätze und Gewinne zuvor nicht vermochten, schafften die Zauberworte Internet und Business to Business (B2B), wie die Geschäfte der Industrie untereinander genannt werden: Sie beflügelten die Fantasie der Analysten und damit den lahmenden DaimlerBörsenkurs - zumindest kurzfristig.

Glaubt man den starken Worten, bahnt sich Großes an. Die "Big Three" der US-Autoindustrie General Motors (GM), Ford und DaimlerChrysler (DC) wollen noch in diesem Quartal "das weltgrößte E-Business-Unternehmen und damit den größten elektronischen Marktplatz der Welt" gründen.

Flugs wurde ausgerechnet, was da alles zusammenkomme. Addiert man das jährliche Einkaufsvolumen von GM, Ford und DaimlerChrysler, repräsentiert das "eine Einkaufsmacht von rund 480 Milliarden Mark", staunte die FAZ. Und da sich weitere Automobilkonzerne wie Renault samt Nissan sowie andere Japaner gleich am Marktplatz interessiert zeigten, wuchsen die Summen regelrecht in den Himmel.

Eine "Revolution" in der Beziehung zwischen Herstellern und Zulieferern bahne sich an, hieß es. Ein "neuer Weltstandard" werde geschaffen. Wer nicht mitmache, werde vom Markt gefegt, neue Anbieter bräuchten sich nur eine Website zuzulegen und schon seien sie drin im weltweiten Liefernetz.

Selbst große Zulieferer wie der Mercedes-Hoflieferant Bosch (Einspritzanlagen, ABS, ESP) waren vorher nicht informiert worden, mit zu heißer Nadel war der Internet-Deal in Stuttgart gestrickt worden. Dennoch sagt Frank-Ulrich Breitsprecher von Bosch: "Wir werden uns dem nicht entziehen." Andere, vom Reifenkonzern Continental bis zum Schiebedachbauer Webasto, reagierten ähnlich. Zumindest ein Aspekt des Vorhabens trifft auch ihre Interessen. Einigen sich ihre großen Kunden auf einen Standard, sparen sie die aufwendige Installation von Spezial-Software für jeden Hersteller.