Mit 35 Jahren gehört Samir Arora zu den einflussreichen Persönlichkeiten der Internet-Ökonomie. Seine Firma NetObjetcs produziert eine Software namens Fusion, die vor allem in großen Firmen bei der Konstruktion repräsentativer Websites eingesetzt wird. NetObjects hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Immer wieder versuchten Venture-Kapitalisten, die Firma zu übernehmen und zu zerschlagen. Arora rettete die Firma mit einem klugen Schachzug: Er übertrug 51 Prozent der Anteile an IBM, blieb aber alleiniger Geschäftsführer von NetObjects.

Samir Arora ist Inder, der ein gepflegtes Deutsch spricht. Von seinen Eltern wurde er in der Tradition abendländischer Musikkultur erzogen und zum passablen Pianisten und Sänger ausgebildet. Nach dem Schulabschluss sollte er an einem deutschen Konservatorium studieren. Allerdings bekam er dafür kein Visum. Arora hatte nämlich in jungen Jahren in einer Theatertruppe mitgespielt, war gelegentlich im indischen Fernsehen aufgetreten und hatte so kleine Gesangsrollen in Jesus Christ Superstar und der Rockoper Tommy bekommen. Dies wiederum veranlasste deutsche Behörden dazu, dem jungen Talent mangelnde Ernsthaftigkeit seiner musikalischen Karrierepläne zu unterstellen. Der verdutzte Arora und seine Eltern bekamen zu hören, dass eine geregelte deutsche Ausbildung nicht mit dem indischen Lebenstemperament vereinbar sei.

Die Debatte über eine deutsche Greencard findet Arora durchaus interessant. "Hätte es sie früher gegeben, wäre ich der erste Antragsteller gewesen." Was sie im heutigen Umfeld leisten kann, ist für Arora jedoch überaus zweifelhaft. Schnelle Datennetze machen viele Reisen und Visa überflüssig. Zudem herrscht in den USA für Computerexperten noch immer ein deutlich attraktiveres Klima als in Deutschland. "Wer heute Indien verlässt, hat eine Geschäftsidee und will eine Firma gründen, auch wenn zunächst für eine andere Firma gearbeitet wird. Entscheidend sind die Möglichkeiten, schnell und einfach bei Risikokapitalisten Gehör zu finden. Sie entscheiden, wo die Musik gespielt wird."