Als der 21-jährige Sven Janssen aus Mendig bei Koblenz seinen Musterungsbescheid bekam, war für ihn klar: Die Zeit als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr wollte er sinnvoll nutzen. Der gelernte Organisationsprogrammierer hatte von Berufskollegen gehört, "dass ich beim Bund berufsnah eingesetzt werden kann". Ein Gespräch mit dem so genannten Einplaner Siegfried Reich im Koblenzer Kreiswehrersatzamt, und alles war geritzt: Nach seiner Grundausbildung wird Janssen acht Monate lang "als EDV-Mann" beim Heeresunterstützungskommando in Koblenz arbeiten.

Dass junge Männer bei der Bundeswehr und während des Zivildienstes etwas für Beruf und Studium lernen können, wissen die wenigsten. Und kaum einer rechnet damit, dass viele Personalchefs späterer Arbeitgeber wissen wollen, ob sich ein Bewerber seine Dienststelle zielgerichtet ausgewählt und seine Kenntnisse erweitert hat.

Die Bundeswehr hat es sich 1998 mehr als 200 Millionen Mark kosten lassen, ihr Personal auf Zeit fortzubilden. Bundesweit kümmern sich in 37 Dienststellen die Mitarbeiter des Berufsförderungsdienstes (BFD) aufwändig darum, dass Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten nach dem Dienst beruflich fit in das zivile Leben zurückkehren.

Die Angebote reichen von Kursen zur Existenzgründung und zu computergestütztem Marketing über das Bewerbertraining bis zur Schulung in Rechnerprogrammen wie MS-Excel 2000. Für interne Kurse des BFD, aber auch für solche bei Handwerkskammern oder Volkshochschulen, stehen für jeden Soldaten 1300 Mark Zuschuss bereit; dasselbe gilt für Zivildienstleistende. Wer das nicht nutzt, kann später bei Vorstellungsgesprächen ins Schwitzen geraten. Kerstin Piltz, die Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung IV in Wiesbaden, sagt, dass manche Personalchefs "auf die Bemerkung eines Bewerbers, bei der Bundeswehr sei es öde gewesen, gezielt nach der persönlichen Initiative fragen". Lernfaule haben dann schlechte Karten.

Personalabteilungen von der Sparkasse Bonn bis zum Industriegasehersteller Messer-Griesheim in Krefeld bestätigen diese Einschätzung. Ziemlich einerlei ist dagegen den meisten größeren Firmen mittlerweile, ob ein Bewerber an der Panzerfaust oder am Rollstuhl gedient hat. Rüdiger Löhle, Sprecher des Kölner Bundesamtes für den Zivildienst (BAZ), stellt zumindest fest, dass die Frage "Haben Sie gedient?" heute "viel seltener gestellt wird als früher". Dies liegt im Wesentlichen daran, dass es inzwischen in Deutschland zwei Millionen anerkannte Kriegsdienstverweigerer gibt. Im vergangenen Jahr leisteten rund 134 000 junge Männer Zivildienst, nur etwa 6000 mehr entschieden sich für die Bundeswehr. Zum Vergleich: 1961 traten die ersten 340 Zivis als Exoten ihren Ersatzdienst an.

Mit den Unterschieden verschwinden die Vorurteile. "Jeder Erwachsene dürfte inzwischen einen Zivi kennen - in der Familie oder durch einen Aufenthalt im Krankenhaus", vermutet Löhle. Die früher oft als Drückeberger Gescholtenen hätten sich "im öffentlichen Bewusstsein zu Sozialhelden gewandelt". Zwar gebe es auch noch "Betonköpfe" unter den Personalchefs, die Soldaten bevorzugten. "Doch die meisten fragen heute eher, warum jemand diesen oder einen anderen Dienst absolviert hat und wie die Zeit zur persönlichen Fortbildung genutzt wurde."

Auch Uwe Herz, der Sprecher der Holding der Deutschen Bahn in Berlin, sieht hier die entscheidende Frage. Wichtig seien der persönliche Eindruck und die Zeugnisse eines Bewerbers. Man wolle wissen: "Was ist das für ein Mensch, wie stellt er sich dar, was hat er für Ziele?" Ob Soldat oder Zivi, spiele keine Rolle. Auch Michael Lamberty, Sprecher der Lufthansa in Frankfurt, sagt: "Wir haben keine Präferenzen." Stets aber frage die Lufthansa danach, "was der Bewerber während seiner Dienstzeit gemacht hat und welche Erfahrungen und Kenntnisse er daraus mitbringt". Nicht einmal in der eher konservativen Bankenbranche hätten Wehrdienstleistende einen Startvorteil, beteuert Deutsche-Bank-Sprecherin Daniela Elvers. In ihrem Haus zählten Sprachkenntnisse, Auslandserfahrung und Persönlichkeit. Der Dienst sei kein Kriterium. Da ist es kein Wunder, dass in der Werbe- und Marketingszene erst recht niemand schneidig nach Erfahrungen beim Ölen von Gewehren fragt. "Wir sind nur an Überzeugungstätern interessiert, die begründen können, warum sie was gemacht haben", sagt Elke Neujahr, die bei der PR-Agentur Kohtes und Klewes in Düsseldorf für die Personalentwicklung zuständig ist.