Als Joaquím Chissano, zurückgekehrt von einem Rundflug über das Katastrophengebiet, aus dem Hubschrauber kletterte, waren seine Gedanken unschwer zu erraten: Alles dahin. Die Straßen und Brücken, die Fabriken, die großen Plantagen und die Feldfrüchte der kleinen Bauern, die Hoffnung auf ein besseres Leben - ertrunken in den braunen Fluten.

Die verheerende Überschwemmung überfordert das arme Mosambik; das Land ist auf finanziellen und technischen Beistand von außen angewiesen. Die Hilfe der Weltgemeinde kam zögerlich, aber sie kam. Das lag nicht nur an den erschütternden Bildern von den Opfern der Sintflut, sondern auch an den eindringlichen Worten des Staatschefs. Man hört dem 60-jährigen Joaquím Alberto Chissano zu. Vorbei sind die Zeiten, als ihn ein einfältiger US-Diplomat mit "President Cinzano" anredete. Vergeben seine frühen Bekenntnisse zum Kommunismus. Vergessen die Vorbehalte gegen einen Anhänger der transzendentalen Meditation.

Wenn nicht der Zyklon Eline das Land in ein Meer verwandelt und seine Entwicklung um Jahre zurückgeworfen hätte. Chissano muss sich fühlen, als schwämme ihm sein Lebenswerk davon.

Der Sohn eines Angestellten der portugiesischen Kolonialverwaltung wollte Arzt werden, aber sein Medizinstudium in Lissabon dauerte nicht lange: Nach einem Jahr flog Chissano wegen revolutionärer Umtriebe von der Universität. Er ging nach Paris ins Exil, kehrte 1962 zurück nach Afrika und gehörte zum Kreis der Männer, die die Befreiungsbewegung Frente de Libertaçao de Moçambique (Frelimo) gründeten.

Dann, ab 1964, der bewaffnete Kampf gegen die Kolonialherren; Generalmajor Chissano koordiniert militärische Operationen. Der Guerillakrieg dauerte bis 1974, bis zur "Nelkenrevolution" in Portugal, die das faschistische Caetano-Regime hinwegfegte. Ein Jahr später war Mosambik unabhängig, und Chissano, 36 Jahre jung, wurde Außenminister.

In seinen elf Amtsjahren gelang ihm ein erstaunlicher Spagat: Er geißelte die Apartheid, vermied aber die militärische Konfrontation mit Südafrika; er pflegte die Bruderschaft mit Moskau und schaffte die Wiederannäherung an Washington. Ein Diplomat, geformt vom Kalten Krieg.

Nachdem Samora Machel, der legendäre Gründerpräsident, bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, wählte das Zentralkomitee der Frelimo Joaquím Chissano zum neuen Staats- und Parteichef. 1986 war das, und mancher Beobachter bezweifelte, ob der bescheidene, manchmal langweilig wirkende Nachfolger je aus dem Schatten des charismatischen Machel würde treten können. Überdies musste Chissano die schwere Hypothek eines Bürgerkrieges übernehmen, der die junge Nation zu zerreißen drohte. Seit zehn Jahren bekämpften damals schon die von Südafrika ferngesteuerten Renamo-Rebellen das sozialistische Frelimo-Regime. Mosambik war zum ärmsten Land der Welt herabgesunken.