Es gibt anscheinend nichts Anregenderes als eine schöne Debatte zum "Megathema" Bildung. Ständig tagen Expertenrunden zu Schul- und Hochschulfragen und erreden im Reformrausch ein Zukunftsmodell nach dem anderen. Aber wehe, wenn den Themen Taten folgen und irgendjemand sich daran macht, die Ideen eines solchen Round Table umzusetzen! Meist ist der Schaden nach der "Reform" größer als zuvor; mit Sicherheit immer dann, wenn man das Neue einführt, ohne vom Alten zu lassen.

Da war zum Beispiel die gute Idee, Studenten sollten sich an der Finanzierung ihres Studiums beteiligen. Dafür gibt es inzwischen einige sehr gute - weil sozial verträgliche - Modelle, die allerdings schwere Eingriffe ins Gegebene voraussetzen. So müsste etwa das Bafög abgeschafft werden. Da sich dazu aber niemand durchringen kann, rechten die Politiker weiter über ein Verbot von Studiengebühren. Derweil haben einzelne Bundesländer längst Studiengebühren eingeführt - freilich getarnt als Semester- oder Strafzahlungen. Eine vernünftige Studienfinanzierung ist nunmehr in weiterer Ferne denn je.

Drittes Beispiel: Um international wettbewerbsfähig zu werden, sollten die bürokratiegelähmten deutschen Hochschulen andere Führungs- und Verwaltungsstrukturen bekommen, unter anderem einen Aufsichtsrat. Nun entstehen allenthalben so genannte Hochschulräte, in denen ehemalige Vorstandsvorsitzende und pensionierte Kultusminister sitzen. Die haben sich zwar viel zu sagen, aber in der Praxis wenig zu bestimmen. Das besorgen nach wie vor die alten Gremien - und es bewegt sich nichts.

Deshalb: Wer Neues will, muss zuerst das Alte abschaffen. Sonst führen die Höhenflüge der Reformer in der Wirklichkeit zu einer Bruchlandung nach der anderen.

Wie dichtete schon Wilhelm Busch so richtig? "Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man läßt."