Madrid

Eigentlich hatte es für ihn gar nicht so schlecht ausgesehen. Nicht dass Spaniens Sozialisten zu Beginn dieses Wahlkampfs der Macht schon zum Greifen nahe gewesen wären. Dazu geht es dem Land unter dem konservativen Regierungschef José María Aznar denn doch zu gut, als dass aggressive Wendestimmung herrschte. Die Inflation steigt zwar, aber noch stärker wächst die Wirtschaft, während die Arbeitslosigkeit sinkt. Trends, die der Opposition das Leben nicht leichter machen.

Gewiss, die anderen lägen vorn, das räumte Almunia schon ein, aber immerhin würde die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) merklich aufholen. Die Umfragen zeigen das in der Tat, wenngleich dieser Aufholprozess nicht gerade dramatisch vonstatten geht. Aber bis zum 12. März ist noch etwas Zeit.

Dann der Rücktritt des jungen christdemokratischen Arbeitsministers Manuel Pimentel. Eine Überraschung. Pimentel ist ein sehr liberaler Mann - eigentlich zu liberal für die konservative Volkspartei, den Partido Popular (PP), sagen viele. Bisher diente er als Aushängeschild für Aznars Kursvorgabe der Neuen Mitte à la Schröder/Blair. Den Anlass für die plötzliche Demission bot zwar ein vergleichsweise harmloser Korruptionsfall in Pimentels Umfeld, als wahrer Grund aber gilt politische Verärgerung des Zurückgetretenen über den Kurs der Partei, nicht zuletzt in der Migrationspolitik. So ein spektakulärer Rücktritt, wenige Wochen vor der Wahl, ist keine Kleinigkeit.

Dazu passte, freut sich Almunia, "die Hilfe von Aznars österreichischen Freunden, den Christdemokraten, die mit Haider regieren". Und erst recht die ausländerfeindlichen Exzesse von El Ejido im agrarischen Süden, wo der örtliche Bürgermeister, ein Mann des PP, dem Mob bei der Hatz auf die Marokkaner voll Verständnis, wenn nicht gar Sympathie, zugesehen hatte: Den "spanischen Haider" hat man ihn alsbald genannt.

Schließlich war Almunia, wichtigster Punkt auf seiner (nach oben nicht offenen) Hoffnungsskala, ein politischer Coup gelungen, der den Wahlausgang vielleicht tatsächlich offener gestaltet, als die Prognosen ihn erwarten lassen: Der PSOE-Chef hat, nach mühseligen, vertraulichen Gesprächen, ein Bündnis mit der exkommunistischen Vereinigten Linken (IU) erreicht, das erste Arrangement dieser Art seit den Tagen des Bürgerkriegs.

So addiert man als Kandidat eben eines zum anderen. Und denkt: Es ist nicht aussichtslos. Und steigt, am Ziel angekommen, aus dem Auto, drückt Hände, küsst viele Wangen, schreibt Autogramme, hält Reden. Wahlkämpfers Alltag, zu ertragen eben nur, wenn man die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Immer nur lächeln. Und Almunia, 51 Jahre alt, Baske, ein freundlicher Mann, lächelt tapfer. Weil er zwar Realist, aber auch guten Muts ist. Noch.