Der CDU-Spendenskandal sorgt auch in Amerika für Aufsehen. Amüsiert bis pikiert ist man darüber, dass ausgerechnet an der Spitze der renommierten Atlantik-Brücke, einer 1952 gegründeten Organisation zur Förderung "des Verständnisses für Deutschland in den USA und Kanada", bis vor kurzem jener Mann stand, der unfreiwillig die Affäre ausgelöst hat: der CDU-Exschatzmeister Walther Leisler Kiep.

Dass sich der weltmännische, stets korrekt auftretende Kiep auf einem Schweizer Parkplatz zur Bargeldübernahme eingefunden hatte, mochten viele Amerikaner kaum glauben. Als er im Dezember letzten Jahres in New York ein fundraising dinner zugunsten der Organisation Youth for Understanding veranstaltete, zeigten prominente Amerikaner Kiep prompt die kalte Schulter.

Ihm selbst täte es ja am allermeisten leid, erklärte Kiep bei seiner Festrede, "wenn die gegenwärtigen Ermittlungen in irgendeiner Weise meine Arbeit für die Atlantik-Brücke beeinträchtigen oder darauf einen Schatten werfen würden". Doch genau das tun sie.

Schreiber und Holzer als ehrenwerte Mitglieder Inzwischen ist die Botschaft auch in der Organisation angekommen. In der vorvergangenen Woche teilte Beate Lindemann, die Geschäftsführerin der Atlantik-Brücke, mit, "dass unser langjähriger Vorsitzender Walther Leisler Kiep seinen Vorsitz bei gleichzeitiger Beibehaltung seines Platzes im Vorstand ruhen lässt, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe geklärt sind". Es ist klar, dass es bei diesen Vorwürfen sowohl um die Waffengeschäfte des Thyssen-Konzerns geht als auch um die dubiosen Vorgänge um den Verkauf von Leuna/Minol an den französischen Staatskonzern Elf Aquitaine. Exschatzmeister Kiep hatte sich im Falle Leuna, angeblich auf Wunsch von Treuhand-Chefin Birgit Breuel, als "Vermittler" eingeschaltet. Auch traf er sich mit Elf-Managern in Paris und in seinem Privathaus. Zudem verfügte Kiep über exzellente Kontakte zu zwei Schlüsselfiguren der Affären: Sowohl Karlheinz Schreiber als auch Dieter Holzer waren Mitglieder der Atlantik-Brücke.

Schreiber hatte sich dem Verein gegenüber immer ausgesprochen großzügig gezeigt. So sponserte er etwa das Festbankett in einem Bonner Nobelrestaurant aus Anlass der zehnjährigen Präsidentschaft Kieps.

Innerhalb der Atlantik-Brücke ist die Verunsicherung groß. Viele honorige Mitglieder blättern erstmals das Namensregister durch. Bei der Geschäftsführerin Lindemann häuften sich Anfragen, ob und wann Holzer und Schreiber ausgeschlossen werden könnten. Nach den Statuten des Vereins sei dies praktisch unmöglich, lautete die Antwort. Dabei unterließ es die Geschäftsführerin, den interessanten Rückzug eines ebenfalls zur Hypothek gewordenen Mitglieds zu erwähnen, das sogar einmal Vorsitzender der Atlantik-Brücke war: Casimir von Wittgenstein, der ehemalige Finanzspezialist der hessischen CDU.

Einfachere Mitglieder äußern inzwischen immer deutlicher ihren Unmut darüber, dass Kiep und Lindemann die Atlantik-Brücke seit 1984 "wie ihren Privatverein" führten. Von manchen Aktivitäten - wie der kürzlich ins Leben gerufenen "Investitionsbrücke" - erfährt selbst der Vorstand im Nachhinein.