Wer subtropische Vegetation genießen will, muss an Regenkleidung denken. Die Bananenplantagen, die noch vor zehn Jahren bis ans Meer reichten, bevor Hotelgäste diese Logenplätze beanspruchten - 27 000 Betten immerhin! -, wollen begossen sein, die Feuerranken, die Passionsblumen, die Feigenbäume, die über die Gartenmauern lappen, dürfen nicht dürsten.

Die Straße windet sich hoch. Rechts und links ziehen sich an den Böschungen kilometerlang die Agapanthus-Kolonien dahin, die für den Sommer ein Meer von hohen tiefblauen oder weißen Blütendolden bereithalten, ein Anblick, der Menschen grimmig stimmen kann, die im deutschen Gartencenter schon mal 20 Mark für ein einziges Töpfchen dieser Pflanze hingeblättert haben. Schon nach 15, 20 Minuten wird es spürbar frischer. Dies ist die Gegend des Gemüses, auch der Pfirsiche, Kirschen, der Walnüsse, hier wächst der berühmte Wein.

Und dann kommen die sagenhaften Lorbeerwälder.

Kanarischer Lorbeer. Laurus azorica. Laurus foetens. Laurus indica. Uralte Eukalyptusbäume haben dazwischen ihren Platz behauptet, und von ihren Stämmen hängen schorfige Fetzen, als hätte sich die Rinde im Strom der Jahre abgeschrubbelt. Der Laurazeenwald, der auf der Insel alles bedeckte, als vor 600 Jahren der erste Portugiese vor Anker ging, ist eine archaische Landschaft. An toten Ästen hängen graumoosige Flechten. Es ist kalt, und es ist vollkommen einsam. Bis man wieder in tieferen Gegenden angelangt ist, wo ein alter Mann seinen Weg geht, die dicke Wollmütze über die Ohren gezogen, in der Hand einen Sack mit Grünzeug, eine Harke auf der Schulter.

Gärten auf Madeira mögen ja für jeden etwas vollkommen anderes bedeuteten.

Für die Pflanzenfreaks bedeutet es vielleicht, noch eine der endemischen Sedumarten in ihren Notizheftchen abhaken zu können. Für die Menschen auf dem Land bedeuten Gärten das mühevolle Schlagen von Terrassen in die Berge.

Steine aufschichten zu Mauern. Windbrecher bauen aus den fedrigen Stämmen der Erica, die wächst oben in den Laurazeenwäldern und wird noch heute auf turmhoch beladenen Wagen die Nordhänge runterbugsiert, bis zur Küste. Hier endet Madeira in schorfigen, schwarzen Felsen, und der Atlantik brandet mit einer solchen Wucht an, dass die Wogen der Gischt davonrollen und sie in weißen Schleiern hinterhereilt. Vor diesen Salznebeln muss das Grün beschützt werden. Wer vom Berg auf die Gärten hinunterschaut, sieht ein Muster von kleinen Körben, die aus Erica gesteckt sind und die sich aneinander schmiegen. Drinnen ist die Erde zu kleinen Wällen aufgeworfen, und dazwischen sitzen rund die Kohlköpfe und der Salat.