Wir sind weltweit die einzige Reederei, die im Bordkino Premierenfilme zeigt, zum Beispiel The Tigger Movie, verkündet Kreuzfahrtdirektor Rick Spath triumphierend und fügt hinzu: Das liegt vermutlich daran, dass uns diese Spielfilme gehören.

Plexiglas macht die Reling kindersicher Das mit allen technischen Finessen ausgerüstete Walt Disney Theatre setzt die Helden des Unternehmens effektvoll live in Szene: Die Schöne herzt das Biest, das Märchen von Aschenputtel geht wie immer gut aus, und Peter Pan fliegt seinem staunenden Publikum davon. Pixie Dust, der berühmte Disney-Feenstaub, funkelt auf der Bühne und spiegelt sich in leuchtenden Augen unten im Parkett wider.

Ihren kleinen Christian und die elfjährige Brittany bekommen Vater und Mutter Viniarski während der Kurzkreuzfahrt kaum zu sehen. Der Junge treibt sich von morgens bis ein Uhr in der Nacht im schwimmenden Kindergarten namens Oceaneer Club herum, Britanny im Oceaneer Lab für die Größeren. Zu den 950 Besatzungsmitgliedern der Disney Magic gehören 50 Kinderbetreuer, die von morgens bis Mitternacht ein Füllhorn von Attraktionen über ihrem minderjähriges Publikum ausschütten.

Und wenn Chris sich bekleckert hat und ein neues T-Shirt braucht oder wenn er weint, dann bekommen wir eine Nachricht auf dem Pager, freut sich die Mutter. Zu den Running Gags von Kreuzfahrtdirektor Spath gehört es, dass er am letzten Abend an seine Kundschaft appelliert, nicht nur die Koffer vor die Kabinentür zu stellen, sondern auch die über die verschiedenen Amüsierstationen verteilten Kinder für die Heimreise einzusammeln.

Drei Tage und vier Nächte ist die Disney Magic unterwegs. Am ersten Tag macht sie in Nassau auf den Bahamas fest, wo man zollfreie T-Shirts oder Rum oder Schmuck einkauft, und am Tag darauf in Castaway Kay. Disneys tropische Privatinsel wurde im November vom Hurrikan Floyd ziemlich zerfleddert, aber inzwischen können Disney-Passagiere hier wieder im Sand spielen. Wonach Inselurlauber anderswo mühsam suchen müssen, das hat Disney ihnen hier gleich hingezaubert: ein Walskelett zum Ausbuddeln oder einen Schnorchelparcours inklusive gesunkenem Schiffswrack. Wenn der Konzern auf Castaway Kay auch noch den Sonnenuntergang inszenieren würde, dann hätte die Sonne mit einiger Sicherheit zwei Mäuseohren. Zu dieser Tageszeit aber ist die Disney Magic längst wieder in See gestochen.

Zum Dinner im schrillen Dekor des Animator's Palate taucht der Viniarski-Clan mit alarmrotem Teint auf. Der kleine Christian fehlt. Der isst mit seinen neuen Freunden irgendwo Hamburger, sagt die Mutter. Ihr Pager bleibt ruhig.

Tochter Brittany hat sich auf der Insel karibische Zöpfe flechten lassen und beim Tauchen einen Barrakuda gesichtet. Sie wird viel zu erzählen haben, wenn sie nach der Kreuzfahrt wieder zu Hause in Philadelphia ist. Für eine Woche hat sie die Schule geschwänzt. Die Eltern überlegen, ob sie das Fehlen mit Seekrankheit entschuldigen sollen.