Der Club ist tot. Es lebe der Club. Er hat eine Metamorphose durchgemacht und segelt nun voll im Wind eines neuen Trends. Zeit für Gefühle (Robinson), Renaissance der Sinne (Club Med) säuseln sanft die neuen Slogans. Luxus, Wellness und Genuss. Ehrgeizige Sportrackerei und kräftezehrendes Hulligulli beim Gruppenschwof sollen der Vergangenheit angehören, längst laufen blendend schöne Fünf-Sterne-Anlagen den bescheideneren Unterkünften den Rang ab. Der Cluburlaub, das erste für eine exakte Zielgruppe maßgeschneiderte Markenprodukt des modernen Tourismus, wird den veränderten Bedürfnissen und Neigungen einer anspruchsvollen Freizeitgesellschaft angepasst.

Von Marktforschung hatte Serge Trigano nie gehört, als er 1950 am Strand des mallorquinischen Alcudia ein schlichtes Hüttendorf an den Strand setzte und seine französischen Landsleute zu einem spartanischen Natururlaub animierte.

Man wollte alle hemmenden Konventionen hinter sich lassen. Sonne, See und Sex hieß das Motto, nach dem sich die Happy few der Nachkriegszeit vergnügte. Der Club Méditerranée - heute nur noch knapp Club Med genannt - war erfunden und mit ihm die Clubidee schlechthin.

Es sollte noch zwanzig Jahre dauern, bis die deutschen Pendants Club Robinson (TUI Gruppe) und Club Aldiana (C&N Touristic/Neckermann) auf den Plan traten.

Wie die Franzosen platzierten sie ihre Anlagen an den attraktivsten Stränden rund ums Mittelmeer und wagten sich bald auch auf andere sonnenverwöhnte Erdteile vor, in denen immer sommerliche Temperaturen herrschten. Denn Sport, vor allem Wassersport, wurde von Anfang an groß geschrieben.

Üppige Büfetts, den freien Tischwein inklusive, und eine allgegenwärtige Animation, die Wettkämpfe und muntere Shows gleichermaßen einschloss - so liebten es die durchweg jungen Akteure, die sich unisono duzten. Allzu oft aber waren die Animateure mit missionarischem Eifer zugange. Wir haben tatsächlich die Leute aus ihren Liegestühlen gezogen, gesteht ein Robinson-Veteran. Es war nicht jedermanns Sache, wider Willen auf Trab gebracht zu werden. Bald gab es glühende Anhänger und scharfe Gegner des Clubgedankens.

Jetzt darf jeder im Club so faul sein, wie er will. Doch das Vorurteil von der Trillerpfeifen-Animation schien unausrottbar. Robinson entschloss sich daher vor drei Jahren, bei seinen Select Hotelanlagen ganz auf die Bezeichnung Club zu verzichten, und Aldiana folgte diesem Beispiel. Die Namenskorrektur wirkte sich segensreich aufs Geschäft aus. Aldiana gewann 30 Prozent neuer Gäste, Robinson 50 Prozent. Nimmt man die kleineren Konkurrenten hinzu wie den Club Med (DERTOUR), die Calimera Aktivhotels (ITS) oder den Club Valtur (FTI Touristik), dann sind es rund eine halbe Million Deutsche, die sich im vergangenen Jahr für den Urlaub in einem Ferienresort entschieden haben. Die Zahl potenzieller Kunden jedoch, das fand die Hamburger Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R.) heraus, liegt zwischen zwei und drei Millionen. Wer sie für sich gewinnen will, muss einfallsreich und wendig sein, denn die Vorlieben des Publikums wechseln schnell. Es gilt, den jeweils neuesten Trend als Trailer zu nutzen und ihn mit anregenden Werbebotschaften zu eskortieren. Nun also: Wellness. Der Urlaub mit dem Verwöhn-Aroma, entspannend und regenerierend und - vom Seminar für Lifedesign bis zur Vollmondmeditation (beides bei Aldiana) - fast schon eine Studienreise ins eigene Innenleben.