"... er teilte mit uns allen das Exil" - Goethebilder der deutschsprachigen Emigration 1933-1945 Ausstellungskatalog der Deutschen Bibliothek, Frankfurt a. M.

Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 274 S., 34,- DM (in der Bibliothek 26,- DM) Am 10. Dezember 1936 konnten viele ins Exil getriebene Deutsche in der Fremdenzeitschrift Die neue Weltbühne einen Halbsatz lesen, der ihnen, hoffentlich, Mut gemacht hat. Heinrich Mann, dem die Flucht vor den Nazis gelungen war, reklamierte Goethe, zu Recht, für ein besseres Deutschland, das aus dem Vaterland vertrieben sei: Goethe 1933 - "er teilte mit uns allen das Exil". Der eindrucksvolle Band, Frucht einer Ausstellung des Deutschen Exilarchivs (Brita Eckert, Werner Berthold), bringt dafür den Beweis. Aus Briefen, Dokumenten, Probenberichten, Kritiken entsteht ein einzigartiges Lern- als Lesebuch, für Goethe, für die Autoren im Exil.

Lou-Andreas Salomé: Russland mit Rainer - Tagebuch der Reise mit Rilke im Jahre 1900 hrsg. von Stéphane Michaud in Verbindung mit Dorothee Pfeiffer Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 1999 (Postfach 11 62, 71666 Marbach) 160 S., Abb., 30,- DM Kaum zu glauben, dass dieses bedeutende Dokument der deutschen Geistesgeschichte - mit Gedichten! - zwar in französischer, italienischer, russischer Übersetzung seit Jahren vorliegt, aber erst jetzt, liebevoll zubereitet, auch im deutschen Original ersch eint. Dank dem Marbacher Literaturarchiv! Zählt die viel umschwärmte Tochter eines russischen Generals, 1861 in Sankt Petersburg geboren, die sich von Freud zur Psychoanalytikerin ausbilden ließ und 1937 in Göttingen gestorben ist, inzwischen so wenig? Auf der Suche nach dem einfachen Leben reist sie mit dem jungen Dichter durch das Land, kniet vor Ikonen und reimt mit Rilke um die Wette von den "ungeheuren Einsamkeiten" am Strand der Wolga. Ein jugendstiliger Hymnus deutscher Russland-Sehnsucht, an dessen Ende die Trennung der Geliebten steht: "Du heller Himmel über mir! / ... / Such mir die Heimat heiß ersehnt, / Wo ich mich selber finde."