Für künstliche Geschöpfe hat das Kino seit jeher ein Faible gehabt, für Alraunen und Golems, Cyborgs, Monster und Replikanten. Je interessanter die Wunderwesen aussehen, desto eher setzen sie die Fantasie in Gang. Wegeners statuarischer Lehmkopf (in Golem). Brigitte Helms glänzender Metallkörper (in Metropolis). Karloffs stoische Leichenmiene (in Frankenstein).

Schwarzeneggers sture Automatenmotorik (in Terminator) - das irritierende Design schürt die Sorge um das Zukünftige. Der Regisseur Chris Columbus dagegen will eher beruhigen. In Der 200 Jahre Mann führt er einen Roboter vor, der schließlich nur ein einziges Ziel kennt: Er möchte beweisen, dass künstliche Wesen doch des Menschen bessere Hüter sind. Anfangs dient er bloß als "Haushaltsgerät", das die alltägliche Arbeit der Familie Martin erleichtert - als Butler, Putzfrau und Kindermädchen, als Chauffeur und Schneider, als Koch und Sommelier. Er ist ein goldglänzendes "Ding", aus Titan und Edelstahl, mit Silikon an den Gelenken und fotoelektrischen Zellen als Augen. Aus der Maschine NDR 113 wird jedoch rasch der Kamerad Andrew, der stets zur Stelle ist, wenn ein Mitglied der Familie ihn braucht. Bald beginnt er Kunstvolles aus Treibholz zu schnitzen, zu musizieren, freundliche und kluge Gespräche zu führen. Nach und nach legt er Männerkleider um seine metallene Gestalt. Auch unter Robotern machen Kleider Leute. Am Ende will dieser mechanical man natürlich mehr sein als bloß ein "Ding". Chris Columbus hat sein Spiel mit dem Frankenstein-Mythos (nach einer Geschichte von Isaac Asimov) zum Kindermärchen für die ganze Familie zugespitzt. Er war ja schon immer ein Süßholzraspler, stets zu nachdrücklich im Erzählen, zu deutlich im Anliegen, zu betulich im Tempo. Der Roboter fordert am Ende, nach seiner Operation zum Androiden (und einer optischen Veränderung zu Robin Williams), als gleichberechtigtes Wesen anerkannt zu werden. Das ist dann wie von Walt Disney erdacht, der schon in Bambi den uralten Traum aller Kreaturen wahr werden ließ: kühner, schöner, klüger und edler zu sein, als man tatsächlich ist.