Jerusalem

Ehud Barak ist fasziniert von Uhren, die er mit Leidenschaft auseinander nimmt und hinterher wieder zusammenbastelt. Er mag auch Kalender und fixe Termine. Doch offensichtlich hat der israelische Ministerpräsident die Kontrolle über seine ehrgeizigen Zeitpläne verloren

es gelingt ihm nicht, aus all den komplizierten nahöstlichen Schräubchen ein funktionierendes Räderwerk zustande zu bringen. Das gilt für die Verhandlungen mit PLO-Chef Jassir Arafat wie auch mit Syrien.

Die palästinensische Uhr, die Barak nach der Wahl vor neun Monaten zunächst einmal in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend neu zusammengesetzt hatte, geht nach. Laut Fahrplan sollte bis zum 13. Februar ein Rahmenvertrag unterzeichnet werden. Darauf hatte Barak im Abkommen von Scharm asch-Scheich selbst gedrängt. Die Frist ist längst abgelaufen, eine neue gibt es nicht.

Arafat wirft Barak vor, dieser bevorzuge das syrische Gleis und koche den Friedensprozess mit den Palästinensern ganz bewusst auf Sparflamme. Neue Unruhen könnten deshalb vielleicht schon bald ausbrechen, vom April ist die Rede, wenn der Papst wieder abgereist ist.

Dass sich die Israelis zurückziehen, ärgert die Syrer

Doch auch die Uhr in Damaskus tickt nicht so, wie sie sollte. Zwar gab es einen vielversprechenen Anfang mit der Neuaufnahme der Gespräche in Shepherdstown, doch seit dem 10. Januar ist alles blockiert. An der israelischen Nordgrenze tobten die Kämpfe gegen die Hizbullah wie schon lange nicht mehr. Damit sich die Zeiger endlich weiterdrehen, beschloss Ehud Baraks Regierung jetzt, die Armee in jedem Fall bis Juli aus dem Südlibanon zurückzuholen - mit oder ohne Abkommen mit Syrien, das dort die Hizbullah-Miliz unterstützt. Was das Kabinett nach 18 Jahren zu dieser Entscheidung veranlasst hat, war aber letztlich das für die Bevölkerung unerträglich gewordene Blutvergießen im "israelischen Vietnam" und nicht Baraks Wahlversprechen.