Die elektronische Post kam Dienstagmorgen um Viertel nach zehn. Absender: Der Konzernvorstand der Dresdner Bank. Empfänger: all employees des Frankfurter Geldhauses. "Wir bitten Sie, von Mitarbeitergeschäften in Aktien der Allianz, Deutschen Bank und Dresdner Bank sowie darauf basierender Derivate bis auf weiteres abzusehen", hieß es in der E-Mail. Die Nachricht war klar: bloß keinen Schatten auf den geplanten Coup fallen lassen, bloß keine Verwicklungen in Insidergeschäfte an der Börse.

Das Vorhaben ist so riskant wie spektakulär. Durch den Zusammenschluss von Deutscher und Dresdner Bank entsteht nicht nur das größte Geldhaus der Erde.

Mit der Zusammenarbeit der Erzrivalen beginnt die lang erwartete Neuordnung der deutschen Bankenwelt. Am Ende, darin sind sich Experten sicher, wird es weniger Institute geben, weniger Filialen - und weniger Jobs. "30 Prozent der Arbeitsplätze werden langfristig verschwinden", erwartet Gerhard Renner, Vorstand der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), der auch im Aufsichtsrat von Allianz und Deutscher Bank sitzt. Quer über alle Bereiche - Großbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken - wären das rund 200 000 Stellen.

Die Vorstände von Deutscher und Dresdner haben ihren Schritt lange geplant.

Bereits im Herbst hatte es Gespräche über eine Zusammenarbeit im Filialgeschäft gegeben

sie wurden bald offiziell abgebrochen. "Eine clevere Finte", heißt es in der Dresdner Bank dazu heute stolz, weil man die Verhandlungen über die Zukunft des so genannten Retailgeschäfts zwar wirklich einstellte - aber nur, um in aller Ruhe über eine Vollfusion zu verhandeln.

Dass etwas passieren musste, war klar. "So verrückt das klingt, aber im Filialgeschäft sind die Großbanken viel zu klein", sagt Wolfgang Gerke, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Nürnberg. Zusammen kommen die großen Vier der Branche - Deutsche, Dresdner, HypoVereinsbank und Commerzbank - im Geschäft mit den Privatkunden bloß auf 16 Prozent Marktanteil. Sie haben viele Filialen und relativ wenig Kunden. Die Folge: In den Zweigstellen sammeln die Institute kräftig Verluste. "Vor allem das Retailgeschäft der Dresdner Bank ist völlig unprofitabel", weiß Wissenschaftler Gerke. Geht man zusammen, so das Kalkül, kann man dieselbe Zahl von Kunden mit weniger Zweigstellen bedienen.