Philippe Boulanger: 1001 Nacht. Scheherezade erzählt Geschichten aus der Wissenschaft

aus dem Französischen von Dietmar Zimmer

Birkhäuser Verlag, Basel 1999

221 S., 29,80 DM

Märchen und Fabeln versteht doch jedes Kind, Mathematik und Naturwissenschaften dagegen sind bloß einer begnadeten Elite begreiflich.

Genauer betrachtet stimmt weder das eine noch das andere. Doch fantasievoll ausgestaltete Geschichten sprechen mehr Menschen an als die in Fachbegriffe und Formeln verpackten Wahrheiten der Wissenschaft. Mancher Sachbuchautor versucht sich daher als Verpackungskünstler und schmückt die Theoriegebäude mit einem einladenden erzählerischen Rahmen, um dem Leser den Zugang in den Elfenbeinturm zu erleichtern.

Philippe Boulanger hat die arabische Welt von Tausendundeiner Nacht gewählt und damit einen wahren Glücksgriff getan. Der lockere Aufbau der Geschichtensammlung erlaubt es ihm, 51 Episoden aus Zahlentheorie und Statistik, Physik und Biologie zwanglos nebeneinander zu stellen, die er mit Kalifen, Großwesiren und ebenso reizenden wie vorlauten Prinzessinnen abwechslungsreich belebt. Wo andere Autoren das Reich der Fantasie schon bald verlassen und dem Leser ausführliche Erklärungen der wissenschaftlichen Sachverhalte zumuten, bleibt Boulanger dem selbstgewählten Rahmen treu und setzt humorvoll Dschinns und fliegende Teppiche an die Stelle erschöpfender Erläuterungen. Zwar gewährt Scheherezade am Ende jeder Geschichte auch einen kurzen Einblick in den wissenschaftlichen Hintergrund, doch bewahrt die morgendliche Dämmerung den Leser stets vor längeren Exkursen: "In diesem Augenblick erkannte Scheherezade, dass der Morgen gekommen war, und schwieg."