Nach meinem Studium habe ich bei einem privaten Fernsehsender ein Praktikum gemacht. Damals gab es in Nordrhein-Westfalen den Koffermord.

Eine Frau stand unter Mordverdacht. Die Leichen waren in einem Kofferraum gefunden worden. Ich wurde hingeschickt mit dem Auftrag, die Kinder vor die Kamera zu bekommen, möglichst heulend. Diese Lust am Skandal fand ich einigermaßen widerlich. Es war das erste Mal, dass ich über meine ethischen Haltungen richtig nachdenken musste.

An der Evangelischen Journalistenschule in Berlin stehen solche heiklen Fragen des Medienalltags im Mittelpunkt der Ausbildung. Wir werden dazu ermuntert, nicht alles um jeden Preis zu machen. Wir diskutieren, wie man Chefredakteure davon überzeugt, dass so eine Geschichte auch anders erzählt werden kann. Genau das hatte ich mir von einer kirchlichen Schule erhofft.

Eine fantastische Ausbildung! Man lernt, umfassend zu recherchieren.

Was mir auch gleich gefallen hat: Sie wollen Leute, die Verschiedenes ausprobiert haben. Ich hab Romanistik, Publizistik und Geschichte studiert, danach Öffentlichkeitsarbeit für Reporter ohne Grenzen gemacht und ein internationales Comedy- und Varietéfestival mitorganisiert. Noch eine Besonderheit gibt es an der Schule: Jeder einzelne Schüler bekommt einen erfahrenen Journalisten als Mentor an die Seite. Aber damit soll es bald vorbei sein. Die Kirche will die Schule schließen.

Ich habe noch einmal nachgeschaut, was für große Reden es zur Eröffnung vor erst fünf Jahren gab. Was der Berliner Bischof Huber damals gesagt hat, kann ich nur unterschreiben: Er sei für eine offene und öffentliche Kirche. Aber davon bleibt ja wohl nicht viel, wenn man das, was für diese Offenheit steht, zumacht. Sonntagsreden. Für mich hat die Kirche ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Ich glaube an die Werte Unabhängigkeit, Zivilcourage und Freiheit in Verantwortung, die auch die Kirche hochhält. Davon sind wir bei unserer Ausbildung inspiriert. Aber so wollen sie uns wohl nicht. Das ist für uns Studenten eine große Enttäuschung. Dann sollen sie solche Ideale nicht predigen. Sondern gleich sagen: Wir wollen nur Psalmbeter. Dann sollen sie gar nicht erst diese Journalistenschule aufmachen. Das wäre dann mal konsequent.