Würde unser Regisseur, sagen wir, in Frankreich leben, zählte er dort sicher zu den Namhaften seiner Zunft. Dann würde er im cinéma seine Werke präsentieren, selbstverständlich, einfach so. Doch unser Regisseur lebt nicht in Frankreich.

Und so kommen seine Filme meist nicht ins Kino, sondern ins Fernsehen - was manchmal wie Verschwendung erscheint angesichts wunderschöner Kamerasequenzen, die auf der Leinwand noch weit betörender wirken würden.

Zumal in einem Genre, wo seine Kollegen oft einzig auf Action setzen: den Thriller.

Spannung erwächst bei diesem Regisseur freilich nie aus äußeren Faktoren.

Sondern immer aus der Komplexität aller Charaktere und deren Unberechenbarkeit. Der Sohn eines Schauspielers versteht sich darauf, mit seinen Darstellern die Brüche einer Figur auszuloten. Sei es in den Geschichten um einen ungewöhnlichen, liebenswerten Kommissar sei es in dem Film, nach dem wir fragen.

Viel kommt darin zusammen: die Gier nach dem schnellen großen Geld, das Spiel Jeder-gegen-jeden, das Drama einer kaputten Ehe, das Beharren auf menschlicher Würde - und immer wieder der Zufall, der die Verhältnisse auf den Kopf stellt. Opfer werden Täter, Täter werden Opfer. Bis am Ende keiner kriegt, was er will.

Für diesen Film mit nationalem Staraufgebot, der übrigens im Kino lief, erhielt der Regisseur Preis und Ehr. Doch als er später vor gleicher Kulisse einen weit aufwendigeren Stoff fürs Kino inszenierte, wurde das allen Erwartungen zum Trotz ein Flop.