Skilaufen am Ätna, ausgerechnet wenn der größte Vulkan Europas spuckt und faucht? Doch, das geht. Protokoll einer unheimlichen Begegnung auf Sizilien Es hätte ja sein können. Ein kurzer Begrüßungspuff, ein kleines Willkommensfeuerwerk. Jedenfalls starren die Männer in Manageruniformen gespannt zu den rechten Flugzeugfenstern hinaus. In Mailand-Malpensa hatten sie Köpfe und Gedanken noch tief in den Wirtschaftsseiten des Corriere della Sera vergraben. Doch je weiter Italiens Wirtschaftsmetropole zurückbleibt, umso fröhlicher die alltagsgrauen Gesichter - wie so oft bei Flügen aus Mailand hinaus. Als der Alitalia-Pilot einschwenkt auf die Landepiste von Catania, gilt die Aufmerksamkeit dem Vulkan. Doch während von unten die Lichter der Stadt glitzern, hüllt sich der Lavariese in Schnee und Wolken, in Schwärze und Schweigen.

Wie hatten die lieben Kollegen vor der Abreise gehöhnt: Skifahren am Ätna?

Ihn gar auf Langlaufbrettern bis hinauf zum Kraterrand bezwingen? Na ja, jedem sein Pläsierchen. Und manch einer fragte süffisant: Habt ihr die Meldungen über die jüngsten Ausbrüche gelesen, die Bilder gesehen? Jawohl, haben wir. Sie sind dieser Tage selbst in den sizilianischen Zeitungen zu sehen. Das heißt etwas, denn hier beeindruckt nicht jedes vulkanische Hüsteln.

Ganz aufgeregt ist auch Stefan aus München, unser Fotograf. Der Schnee kocht, berichtet er von einem ersten Augenschein am Nachmittag. Es brodelt und zischt, malt er bereits die Szenerie für seine Bilder aus: Tausend Meter hoch schössen Asche und Gestein, alles ein wenig unkoordiniert, wie er einräumt. A muntagna, der Berg, wie der Ätna für die Sizilianer schlicht heißt, macht seinem Ruf als Monster in diesen Tagen alle Ehre.

Es herrscht das, was die Touristiker hier als fünfte Jahreszeit bezeichnen, die Saison der Eruptionen. Wir treffen systematische Vorbereitungen, um der Zunahme der Aktivitäten entgegenzutreten, meint in vollmundigem Bürokratenjargon der Bürgermeister von Zafferana, Giuseppe Leonardi. Um ein Haar wäre sein Städtchen 1992 zerstört worden. Die Vorbereitungen können indes nicht verhindern, dass eine dicke Schicht von Lavaasche von den Straßen gekehrt werden muss, weil am Vorabend ein dunkler Regen niederging.

Es sei einiges los da oben, meint auch Ugo. Er betreibt am Nordhang des Vulkans eine neue, gut gehende Pizzeria und soll uns am folgenden Tag auf den Berg begleiten. Er ist Outdoor-Experte und organisiert Ski-, Kletter- und Höhlentouren, Mountainbike- und Paraglidingabenteuer. Seine Leidenschaft gilt aber den 40 Huskys, mit denen er Schlittenhundetouren bis hinauf zum Gipfel unternimmt.

Heute gibt er sich allerdings skeptisch: übles Wetter, heftige Winde. Als inszeniere a muntagna alle erdenklichen Spektakel, um sich so unnahbar wie möglich zu geben. Freilich, nach ein paar Gläsern vom lokalen Ciclope-Rotwein sieht alles recht harmlos aus. Geradezu sanft scheinen die Hänge anzusteigen.