Mit einem lang gepflegten Vorurteil räumen jetzt die Berater der Boston Consulting Group auf. Sie untersuchten die Entwicklung von so genannten Mischkonzernen. Sie werden auch Konglomerate genannt, weil sie eine große Palette von Produkten im Angebot haben. Dazu zählen Konzerne wie General Electric, Philips oder auch Siemens. Nicht alle, aber die meisten sind den Analysten von Fondsgesellschaften und Investmentbanken ein Dorn im Auge. Bei ihnen lösen die Gemischtwarenläden im Vergleich zu Wettbewerbern, die sich nur auf einige wenige Geschäftsfelder konzentrieren, oft ein tiefes Misstrauen aus. Denn sie sind weniger transparent. Man muss sich schon auf vielen Märkten auskennen, um sie wirklich gut beurteilen zu können.

In einer zehnjährigen Studie (1988 bis 1998) nahmen die Experten der Boston Consulting Group 500 börsennotierte Unternehmen dieser schwierigen Kategorie unter die Lupe. Das überraschende Ergebnis: Es besteht gar kein Zusammenhang zwischen dem Grad der Spezialisierung eines Unternehmens und seinem Erfolg.

Es gibt sogar Mischkonzerne, deren Wertentwicklung deutlich über der ihrer Konkurrenten liegt. Ihr Rezept: Sie investieren überproportional viel Zeit und Kapital in bereits bestehende, hoch profitable Geschäfte. Sie ziehen sich aber auch aus wenig erfolgreichen Sparten schnell zurück. Ein weiteres Merkmal: Führungsstil und Management sind disziplinierter und konsequenter als in anderen Konglomeraten. Personelle Konsequenzen sind nicht tabu. Dafür werden Erfolge aber auch ungewöhnlich gut belohnt. Als Vorzeigegesellschaft dieser Art gilt beispielsweise General Electric mit seinem rigorosen Chef Jack Welch. Der Klassiker unter den Mischkonzernen steht auch in der Gunst von Investoren sehr hoch. Nach Microsoft ist General Electric das zweitwertvollste Unternehmen der Welt.