Die Euphorie ist vorbei", so beschreibt Marlene Volkers von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) die Stimmung unter Mitarbeitern und Betriebsräten von WalMart. Der größte Einzelhändler der Welt aus dem amerikanischen Bundesstaat Arkansas (Umsatz 1999: knapp 330 Milliarden Mark), der seit Ende 1997 versucht, den deutschen Markt aufzurollen, scheint ausgerechnet dort Punkte einzubüßen, wo er sich - jedenfalls dem eigenen Anspruch nach - gegenüber der Konkurrenz profilieren will: beim Personal an der Verkaufsfront. Die anfänglichen Versprechungen (permanente Information über Geschäftsgang, tägliche Umsatzentwicklung und Neuerungen) würden nur sporadisch oder gar nicht eingelöst. Die Betriebsanweisungen seien gespickt mit Amerikanismen und "ohne Lexikon" (Volkers) gar nicht zu verstehen.

Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter befürchten sogar den klammheimlichen Abbau von tarifvertraglichen Regelungen und Leistungen. Marlene Volkers: "Statt Zuschläge zu zahlen, werden Buttons verliehen."

Doch auch die erste Euphorie der Amerikaner über ihr Engagement im hart umkämpften deutschen Einzelhandelsmarkt scheint verflogen. Mit bisher 95 SB-Märkten erlöste WalMart 5,2 Milliarden Mark und belegte damit nicht einmal einen Platz unter den ersten zehn Branchenriesen. Vor allem aber häuften sich die Verluste - Summen zwischen 60 und 200 Millionen Mark pro Jahr werden von Branchenkennern genannt. Da scheint das Unternehmensziel einer Kapitalrendite von 15 Prozent vorerst in weite Ferne gerückt. Die Börsen haben bereits reagiert: Seit Jahresbeginn ist die Aktie auf Talfahrt. Die Gründe: Die Analysten rechnen mit einem allmählichen Ende des langjährigen amerikanischen Konsumrauschs, zudem werden die Auslandsengagements, die bisher nur 14 Prozent zum Umsatz beisteuern, eher kritisch beurteilt. Dennoch: Für Unternehmensberater Andreas Bauer von Roland Berger ist es nur eine Frage der Zeit, wann WalMart seine Auslandsprobleme in den Griff bekommt. Dabei spielt er vor allem auf die gewaltige Finanzkraft des Handelsriesen an.