Auch wenn das Superweib ersatzweise die Stuhllehne zwischen die Schenkel nimmt wie weiland die skandalumwitterte Christine Keeler und das Parallelogramm unterm Petticoat in die gewagtesten Winkel verschiebt: Gegen den geldwerten Reiz der Kassette, in der Tante Elsbeth ihren Bimbes gebunkert hat, kommt selbst eine Veronica Ferres nicht an. Mit der Besetzung der Berufsblondine in Carl Sternheims Erbschleicher-Satire ist dem Residenztheater jedoch allemal ein Coup geglückt. Tout München wollte etwaige Rückkopplungen zwischen Vronis privatem Trennungsdrama und ihrem Part als "süßer Puppe" eines lendenlahmen älteren Mannes begutachten. Und Anselm Webers Inszenierung kann sensationsbedingten Zulauf gut gebrauchen, denn sie ist doch eher eine Sparbüchse geworden. Vertagt in die fünfziger Jahre, wird so bieder-restaurativ gejuxt, als hätte Konrad Adenauer die Regieanweisung gegeben: "Keine Experimente!" Die Ferres trägt bei jedem Auftritt ein anderes Kleid, ganz wonderbra, ihr Ausdruck bleibt hingegen fadblond. Für die freundlichst zur Verfügung gestellten Schauwerte hat man ihr die Rolle der Sympathieträgerin im Stück spendiert. Einmal kratzt sie sich demonstrativ an ihrem, so Ferres, "am meisten unterschätzten Körperteil". Sollte das etwa ein Akt allerwertesten Protests gegen ihr Image gewesen sein?