Die Jubelschreie der Patrioten sind nicht zu überhören: Unsere neuen Ostseeinseln, diese großzügige Morgengabe unserer Brüder und Schwestern, sind entzückend! Ah, die berühmten Alleen auf Usedom und Rügen! Wie fein der Sandstrand ist! Wie nett die Menschen sind!

Hinter den blühenden Landschaften und der holperigen Autobahn in Vorpommern lauern diese Inseln, um uns ein für alle Mal zu beweisen, was für ein Krampf doch dieser Kult um Sylt sei und wie unsinnig es ist, dass wir ständig in fremden Ländern das Meer rauschen hören wollen, wo doch schon ein paar Seiten Fontane uns den Weg weisen zu der von Caspar David Friedrich so reproduzierfähig gemalten Kreide.

Also sitze ich am Fenster und blicke hinaus auf die graue Ostsee, welche jedoch nicht rauscht, weil das Nebelhorn tutet. Ich sitze im Ahlbecker Hof und habe Hunger. Denn auf der Fahrt von Berlin hierher (dauert länger, als man glaubt) gab es nichts zu essen. Ab und zu ein Imbiss, Futterkrippe oder Feldküche genannt, in bunten Baracken oder umfunktionierten Wohnwagen, das Angebot der Küche zur Abschreckung in großen Buchstaben lesbar: Gulasch, Erbsen, Bratwurst. Ich hab's einmal probiert und empfehle einen Picknickkorb.

Der Ahlbecker Hof ist das stattlichste Hotel auf Usedom, ein angenehmer Familienbetrieb mit einem Wellnessbereich (so wird heute eine Intensivstation für Körperpflege genannt), wie ihn sonst nur Luxushotels zum doppelten Preis bieten. Das gleiche lässt sich vom Frühstück sagen, dessen Ausmaße gargantualisch sind. Die besseren Zimmer haben einen Blick auf die Baustellen der Strandpromenade, mithin aufs Meer und sind trotzdem vergleichsweise preiswert

die Küche gibt sich große Mühe.

Was vor allem an der fast beiläufig präsentierten Kartoffelkarte zu erkennen ist. Denn im blühenden Boden des deutschen Ostens gedeihen Kartoffeln gut.

Aber auch Aale bringen die Fischer des Haffs nach Hause, und so schien mir das Pommersche Rauchaalsüppchen als Höhepunkt der hiesigen Küche. Es wurde, potzblitz, in einer ausgehöhlten Kartoffel serviert.