Der schönste Platz Deutschlands ist direkt vor meiner Haustür: das Frankfurter Waldstadion. Vor dem Spiel holt man sich Grillwürste, trinkt Bier, dann sucht sich der Eintracht-Fan seinen Stehplatz - obwohl ich heute, mit 54 Jahren, lieber auf der Tribüne sitze. Neulich besuchte ich das Stadion in meiner Funktion als ehrenamtlicher Stadtrat, eine Gruppe afrikanischer Lokalpolitiker war zu Besuch. Wir saßen ein paar Reihen unterhalb von Manfred Kanther, dem ehemaligen Innenminister. Oberhalb wäre nicht besser gewesen.

Ich wäre lieber überhaupt nicht in diesem Block gesessen.

Warum kann Deutschland nicht nur aus Fußball bestehen? Der nimmt mich ein für dieses Land, seit ich hier lebe - über 30 Jahre. Ich liebe Frankfurt, weil diese Stadt aus krassen Gegensätzen besteht. Hier sind Penner und Banker, Ökohaus und Skyline, Finanzen und Geist vereint. Das gibt es nirgends sonst.

In welcher Stadt Deutschlands leben 181 Nationalitäten? Welche hat einen Ausländeranteil von 30 Prozent? All dies prägt die multikulturelle Metropole, in der ich mich wohl fühle.

Nun hängt das Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respekts gar nicht mit dem hohen Ausländeranteil zusammen. Ich bin überzeugt, dass die Frankfurter Schule die Mentalität geprägt hat - Adorno, Horkheimer, Marcuse, diese ganzen Freidenker, die über Jahrzehnte hin Generationen von Studenten zu kritischen Intellektuellen erzogen haben. Frankfurt hat daher einen besonderen Charakter. Aber das kann nicht jeder spüren, das kann nur ein Frankfurter spüren. Einer wie ich.

1968, mit 23 Jahren, kam ich von Conakry, der Hauptstadt Guineas, nach Würzburg, um Psychologie zu studieren, mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdiensts. Ich blieb in Deutschland, weil sich unter dem Präsidenten Sékou Touré, der die französische Kolonie Guinea 1958 zur Unabhängigkeit geführt hatte, eine Diktatur etablierte. Der Sozialismus isolierte das Land und verfestigte sich zu einem stalinistischen Regime. Erst 1984, nach dem Tod Tourés, durfte ich nach Guinea zurückkehren. Ich arbeitete an einem Dokumentarfilm für den WDR, für den ich den neuen Machthaber Lansana Conté interviewte. Ich bekam 20 Minuten, das Gespräch dauerte drei Stunden.

Keiner will mit mir Fohlenragout essen