Moskau

Der Wille des Westens zum Dialog mit Moskau lässt sich vom Krieg am Kaukasus nicht beeinflussen. Das demonstrierte vergangene Woche Rudolf Scharping, zu Gast beim russischen Verteidigungsminister Igor Sergejew. Deutschland dürfe seine Beziehungen zu Russland nicht allein im Lichte des Tschetschenien-Konfliktes sehen, sagte der deutsche Verteidigungsminister in Moskau. Scharping ist damit ganz auf Nato-Linie. Bereits Mitte Februar machte Nato-Generalsekretär George Robertson den russischen Feldherrn seine Aufwartung, nur wenige Tage nachdem der amtierende Präsident Wladimir Putin bekannt gegeben hatte, die Rebellenhauptstadt Grosnyj sei gefallen. Doch im Süden Tschetscheniens wird noch gekämpft. Das Tauwetter zwischen der Nato und Russland hat während des Krieges begonnen.

Der Ölzweig des Tauben-Kommandos aus Brüssel, unter dem Dach von "Partnership for Peace" wieder zusammenzuarbeiten, wurde von den Falken im russischen Verteidigungsministerium wohlwollend entgegengenommen. Die Zeit scheint reif, dass die Generäle beider Seiten ihre Erfahrungen wieder austauschen, zum Beispiel über Präzisionsluftschläge: Hier liegt die Nato klar vorn, denn die Fehlschüsse wie die Raketen auf die chinesische Botschaft in Belgrad oder auf serbische Personenzüge haben nichts gemein mit dem russischen Konzept flächendeckender Zerstörung in Tschetschenien. Oder sie könnten über informationspolitisches Tarnen und Täuschen im Krieg sprechen: Hier haben sich die Russen als die besseren Behinderer journalistischer Arbeit erwiesen.

Zweifellos ist das Angebot von gemeinsamen Themen seit den Kriegen im Kosovo und in Tschetschenien größer geworden. Doch die mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien werden aber auf der Agenda 2000 des künftigen Dialogs zwischen russischen und nordatlantischen Generälen wohl keinen Platz finden, denn dies geht über ihren Dienstbereich weit hinaus. Das stellte zumindest Sergej Jastrshembskij fest, der gewandte Tschetschenien-Sprecher des Präsidenten. Er betonte, die berüchtigten Haftanstalten in Tschetschenien fielen in die ausschließliche Kompetenz des russischen Justizministeriums. Man kann im Westen also beruhigt unterstellen, dass dort die von Wladimir Putin angekündigte "Diktatur des Gesetzes" Tag und Nacht praktiziert wird.

Wäre es dann ein Thema für die parlamentarische Versammlung des Europarates in Straßburg? Auch nicht: Die Frist, die besorgte europäische Politiker dem Kreml setzten, um mit Tschetschenien klarzukommen, läuft erst im April ab.

Wenn westliche Diplomaten und Wirtschaftsvertreter in Moskau Tacheles reden, klingt das etwa so: Krieg hin oder her - wir wollen Russland nicht in die Isolation treiben oder den aussichtsreichsten Kandidaten auf den Präsidentenposten im Stich lassen. Dies ist auch die Begründung für das Gedränge hochrangiger Politiker aus dem Westen, die im Kreml die eiserne Hand drücken. Von der erhofft man sich, dass sie endlich für Ordnung im Russia-House sorge. Die menschliche Ausstrahlung des ehemaligen KGB-Agenten und drahtigen Judo-Ringers hat sogar den amerikanischen Präsidenten berückt.

Der ließ das CNN-Publikum online wissen, mit dem intelligenten guy in Moskau könne man zusammenarbeiten.