Heute: Anna v. Münchhausen, zurück aus Mailand Habe ich. Knapp geschafft. Denn Mailand, in diesen Tagen ... kann einem schon den Spaß verderben. Vermittelt es doch den Eindruck, die Welt sei bewohnt von Tausenden von Armani-Sonnenbrillen und ebenso vielen Prada-Sneakers.

Eigentlich reicht es dann schon.

Aber genau in dem Moment fand ich dies hier. Nein, kein Buch. Eine Fotoedition im Taschenformat. Collagengrafik von Eberhard Schrammen und Toni von Haken. Das waren Bauhaus-Fotografen. Noch nie gehört? Nie gesehen? Guck mal, hier - Kinder am Strand. Halb verwischt, halb verweht, als hätten sie Flügel. Poetisch, aber nicht süß. Da hat sich einer Gedanken gemacht: Druck, Papier, Einführung - alles erstklassig.

Wo ich es gefunden habe? Mittendrin in Mailand, aber nicht im schnieken Kiez um die Via Monte Napoleone herum. Corso Como 10, das ist eine Geheimadresse für Augen-Menschen. So wie andere Toast und Müsli und Pasta essen, brauchen Augen-Menschen ja tagein, tagaus eine Portion Guckfutter. Genau das finden sie in diesem Laden.

Eine ehemalige Autowerkstatt, die dann einige Jahre lang Romeo Gigli als Atelier und Hauptquartier diente. Damals war er noch mit Carla Sozzani zusammen. Und Signora Sozzani, heute die Stilgouvernante der Stadt, kam eines Tages auf die Idee, in diesem Hinterhof alles zu bieten, was der visuell konditionierte Mensch benötigt. Unten: Klamotten, Geschirr, Schmuck, Kosmetika. Schrille Pantöffelchen von Manolo Blahnik, steife Organzablüschen von Costume National sowie Pflegendes (Essentials, ah!) von Yohji Yamamoto.

Oben: Bücher, Musik sowie eine kleine Galerie für Fotografie und Grafik.

Derzeit zu sehen sind die embryonalen Gestalten, mit denen Paolo Roversi die Glanzjournale füllt. Hier kann man nicht nur Gisele Bündchen nebst Hündchen treffen, sondern auch Japaner, die sich bewegen, als hätten sie soeben einen Tempel betreten.