Die Zeit: Herr Messner, die höchsten Gipfel beim Blick aus Ihrer Abgeordnetenkemenate hier im Straßburger EU-Gebäude sind sanfte Hügel und das Münster. Wie bringen Sie die Extremerfahrungen von 14 bestiegenen Achttausendern mit Ihrer Arbeit als einfacher Parlamentarier in der EU-Bürokratie in Einklang?

Reinhold Messner: Die Erfahrung, die ich von den großen Bergen her einbringe, ist ein dickes Fell. Dazu kommt eine relative Gelassenheit, was Spalten angeht. Diese sind hier zu Tausenden gesät.

Zeit: Von wem?

Messner: Die Parlamentarier legen sie sich gegenseitig, weil sie alle wieder gewählt werden wollen. Ich bin Quereinsteiger und ich bleibe Politiker auf Zeit. Deshalb brauche ich mich nicht angepasst zu verhalten. Ich muss nicht wieder gewählt werden.

Zeit: Warum sind Sie überhaupt in die Politik eingestiegen?

Messner: Ich wollte früher oder später ein politisches Mandat übernehmen, kein Stammtischpolitiker mehr sein. Am liebsten hätte ich das in Südtirol getan, hätte dort aber aufgrund meiner Einstellung keine Chance gehabt. Dann kamen die Grünen, und meine Frau hat gesagt: Du redest ununterbrochen über Politik, warum stellst du dich nicht? Das tue ich jetzt.

Zeit: Welche Ziele haben Sie sich für diese neue Phase Ihres Lebens gesetzt?