Sie zeichnen ein Bild von Bernhard Vogel, das falsch und angesichts der Leistungen dieses Mannes kränkend ist, indem Sie schreiben, dass er "dem ,Alten' schier alles zu danken hat". Das ist mir, die ich Vogels Staatssekretärin und später in seinem Kabinett Kultusministerin war und allerlei hautnah miterlebt habe, neu. Hat der sonst so schätzenswerte Gunter Hofmann hier Gedächtnislücken?

Kohl wollte um jeden Preis - und nehmen Sie das wörtlich - Heiner Geißler als seinen Nachfolger im Landesvorsitz der CDU Rheinland-Pfalz. Er setzte einen Staatssekretär neben mich ins Ministerium, der uns kontrollieren sollte, er verlangte, als die Mainzer Allgemeine Zeitung ein Interview mit Vogel überschrieben hatte Geht nicht über Leichen, Vogels Rücktritt von der Kandidatur. Wir haben nächtens zu dritt zusammengesessen, beratschlagt. Ich weiß es noch wie heute. Wir entschieden: Man muss auch verlieren können, also wird kandidiert. Am nächsten Morgen habe ich Vogel das Buch von Jörg Zink, Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages, geschenkt. Und so war es dann auch. Als es um die Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten ging, schickte Kohl Johann Wilhelm Gaddum gegen Vogel ins Rennen. Das war allerdings nur ein Nachhutgefecht.

Und wie steht es mit Thüringen? Kohl wollte Rudi Geil, und erst als sich durch das Nein der Thüringer zu Geil ganz andere Konstellationen als möglich darstellten, wandte Kohl sich Vogel zu. Er ist wahrhaftig alles andere als ein "Ziehkind" von Kohl.

Roger de Weck nun meint, man höre von Vogel "oft Biederes und selten Originelles". Wer hat drei Universitäten - Kaiserslautern, Trier und jetzt Erfurt - neu oder wieder gegründet? Wer hat sich auf das Wagnis der einphasigen Juristenausbildung als Modellversuch eingelassen? Wer hat als erstes und lange als einziges CDU-Land das qualifizierende 10. Schuljahr an der Hauptschule eingerichtet und so begabten Hauptschülern den Zugang zur gymnasialen Oberstufe ermöglicht? Wer hat ungewöhnliche Personalentscheidungen getroffen?

Niemand anders als Bernhard Vogel hat Dagmar Schipanski, diese bemerkenswerte Frau, früh "entdeckt". Es war Bernhard Vogel, der mich 1970 als erste Frau in eine führende Position des Kultusministeriums Mainz berief. Als ich 1971 Staatssekretärin wurde, sagte der Ministerpräsident Kohl in einem unvergessenen Gespräch zu mir: "Der Bernd hat Sie nach Rheinland-Pfalz geholt, aber dass Sie Staatssekretärin geworden sind, verdanken Sie mir."

Dr. Hanna-Renate Laurien Berlin