Dienstreisen sind zum Politikum geworden. In Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin müssen Minister neuerdings offen legen, wann sie wohin geflogen sind und wer das Ticket bezahlt hat. Bundespräsident Johannes Rau hat Ärger, weil er als Ministerpräsident Charterjets der Westdeutschen Landesbank für Dienstreisen nutzte. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi handelte sich Schelte ein, weil er ein Privatflugzeug forderte: Mehr als 10 000 Flugmeilen monatlich mit Linienmaschinen zurückzulegen, von Flugplänen und Verspätungen abhängig zu sein, das hält Prodi für nicht zumutbar.

Es geht um Zeit, Geld und Bequemlichkeit derer, die im Dienste der Öffentlichkeit unterwegs sind. Oft ist ein ganzer Mitarbeiterstab damit beschäftigt, Termin-, Reise- und Kostenpläne unter einen Hut zu bekommen.

Hedda Höbig, die langjährige Sekretärin von Bundespräsident Rau, sagte vor dem Düsseldorfer Untersuchungsausschuss aus, sie habe vor allem darauf geachtet, die Reisen des Ministerpräsidenten so zu organisieren, dass er seinen Zeitplan einhalten könne. Was das Chartern des WestLB-Jets insgesamt kostete? Das habe sie nicht gewusst.

Wir haben nachgehakt und vier Sekretärinnen, deren Vorgesetzte viel unterwegs sind, um Auskunft gebeten: Wie organisieren Sie die Reisen Ihres Chefs? Und wissen Sie immer, was das kostet?

Elke Manthey, 37, ist die Chefsekretärin des Bertelsmann-Vorstandschefs Thomas Middelhoff: Ich buche die Dienstreisen von Herrn Middelhoff nach dem Prinzip time is of essence. Alles muss so effizient wie möglich sein, wir dürfen keine Zeit verlieren. Deshalb ist der Chef in Deutschland und Europa fast immer mit einem der beiden Bertelsmann-Flugzeuge unterwegs. Wir rechnen immer minutiös durch, was schneller ist: Hubschrauber oder Jet. Flugzeit und Fahrtzeit vom Landeplatz bis zum Ort des Termins werden verglichen. Hat er ein Treffen in der Nähe eines Flughafens, ist der Jet schneller. Ansonsten buchen wir den Hubschrauber, der kann vor Ort landen. Für USA-Reisen wählen wir hauptsächlich die Concorde, weil das meistens das Schnellste ist.

Ich weiß immer genau, was eine Reise von Herrn Middelhoff kostet. Die Kosten sind aber letztlich nicht entscheidend. Der Chef soll es möglichst bequem haben. Er sitzt gern auf einem Einzelsitz. Da hat er mehr Platz und kann in Ruhe arbeiten.

Monika Anna Seeckts, 41, ist die persönliche Referentin von Regisseur Leander Haußmann: Die Reisen meines Chefs buche ich nach dem System Entfernung. Er selbst würde ja am liebsten immer Zug fahren, aber wenn es zu lange dauert, dann muss er halt fliegen. Der Chef lässt mir da völlig freie Hand. Er kümmert sich um nichts. Ich drücke ihm seine Reisepläne in die Hand, die verliert er dann sowieso, und ich sag ihm noch mal, wann er wo abfahren muss.