Dem Transrapid zwischen Berlin und Hamburg leistete der neue Bahnchef Hartmut Mehdorn kürzlich Sterbehilfe, doch das modernste, konventionell beräderte Vehikel des Staatskonzerns für Geschwindigkeitsrekorde steht schon auf der Schiene. Der ICE 3 ist genau genommen bereits die vierte Generation der fast zehn Jahre alten ICE-Familie - und mit Abstand der schnellste. Zur Expo in Hannover wird er erstmals Passagiere befördern. Vom Jahr 2002 an, wenn die Neubaustrecke Köln-Frankfurt ans Netz geht, soll der achtteilige Zug dort auf 330 Kilometer pro Stunde beschleunigen, alle bislang existierenden Rennstrecken sind nur für Tempo 280 zugelassen.

Dass die Hersteller Adtranz und Siemens den ICE 3 zwei Jahre vor der Fertigstellung der für ihn maßgeschneiderten Strecke abliefern, kommt den Eisenbahnern gerade recht. Denn die durch Unfälle und Unpünktlichkeit in der Kritik stehende Deutsche Bahn (DB) will in diesem Sommer neue Kunden gewinnen.

Der Official Carrier der Expo 2000 soll fast die Hälfte der Besucher umweltverträglich, schnell und komfortabel auf der Schiene nach Hannover befördern. An Spitzentagen im August und September - so die Prognosen - müssen bis zu 135 000 Menschen durch den neuen Messebahnhof Hannover-Laatzen geschleust werden. Auf diesen Ausnahmezustand, der fünf Monate andauern wird, bereitet sich die Bahn seit Jahren vor: Die Nachfrage will sie täglich mit 60 bis 110 Expo-Sonderzügen stillen. Als Transportmittel für diese ehrgeizige Mission stehen die ersten Exemplare des ICE 3 sowie ebenfalls nagelneue Garnituren des ICE T mit Neigetechnik zur Verfügung.

Um die Wucht des erwarteten Ansturms in geordnete Bahnen zu lenken, geht die DB neue Wege. Wer mit den billigen Expo-Sparpreisen, sie beginnen bei 49 Mark, zur Weltausstellung reisen will, darf nicht mehr den Zug seiner Wahl nehmen. Den Sondertarif gibt es - wie die Billigtickets im Luftverkehr - nur mit fester Zugbuchung für den Hin- und Rückweg und solange der Vorrat reicht.

Mit dem neuen Verfahren zur Reisendenlenkung hofft die DB katastrophal überfüllte Züge von und nach Hannover zu verhindern, denn fast alle Expo-Besucher würden am liebsten, wie ein Eisenbahner weiß, morgens zwischen neun und zehn Uhr am Messebahnhof ankommen.

Das neue System dient aber nicht nur der Entzerrung der Expo-Reiseströme, sondern zugleich als Versuchsballon für das neue DB-Tarifsystem, das im kommenden Jahr nun endlich eingeführt werden soll. Das aus den Zeiten der Dampflok stammende Prinzip, den Fahrpreis nach den gefahrenen Kilometern zu berechnen, soll im Jahr 2001 abgeschafft werden. In Zukunft will sich die die Bahn an ihren Wettbewerbern orientieren und ihre Tarife der Nachfrage anpassen. Die einfache Faustregel für das komplizierte Projekt: Wenn alle fahren wollen, wird die Reise teurer, wer die Spitzenzeiten jedoch meidet, kann billiger ans Ziel kommen.

Informationen über das DB-Angebot zur Expo gibt es telefonisch unter 01805/99 66 33, im Internet unter www.bahn.de. Die Expo-Sondertarife können von April an überall gebucht werden, wo es DB-Fahrkarten gibt. An allen Bahnschaltern sind außerdem Eintrittskarten für die Expo und alle Sonderveranstaltungen sowie Konzerte und Theateraufführungen zu erhalten.