Wenn sich in Indien wieder mal ein Stempel auf einen Reisepass senkt, hat Alexander Arendt das Ziel seiner monatelangen Arbeit erreicht. Dann wird seine Firma - Hewlett-Packard - demnächst einen neuen Kollegen als EDV-Spezialisten begrüßen können: Welcome to Böblingen! Der indische Experte wird dann beispielsweise Großrechner verkaufen, diese beim Kunden einrichten und weiter betreuen. Womit letztlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

So ungefähr lautet die Argumentationskette, die Arendt zuvor in seinem Antrag auf Arbeitsgenehmigung beim Stuttgarter Arbeitsamt vorgelegt hat. Diese drei Seiten Begründung hängen an einem grünen Formblatt, und von ihnen hängt ab, ob ihm ein neuer Kollege bewilligt wird.

An seinen Anträgen feilt der Sachbearbeiter lange, denn seine Firma braucht dringend hoch qualifizierte EDV-Kräfte. Über das Internet, bisweilen auch schon Indernet genannt, tragen sich Kandidaten aus der ganzen Welt in die Datenbank ein. Mehr als 100 000 Bewerbungen liegen digital vor. Trotzdem kamen von den mehr als 400 Spezialisten für Informationstechnologie, die Hewlett-Packard 1999 in Böblingen eingestellt hat, keine 20 aus Indien, Malaysia oder Russland.

In Deutschland wird unterschieden: zwischen EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern mit regionaler Besonderheit wie die USA, Kanada, die Schweiz oder Norwegen, die vom Gesetz her bevorzugt behandelt werden. Dann gibt es noch die Nicht-EU-Länder dritter Kategorie, für die Arendt zuständig ist.

Sind sich Hewlett und der IT-Spezialist über die Vertragskonditionen einig, öffnet Arendt auf seinem Rechner die Formatvorlage, in der er begründet, warum ein öffentliches Interesse besteht, den Spezialisten nach Deutschland zu holen. Beim künftigen Vorgesetzten fragt Arendt nach einer Stichwortliste: Was soll der Neue tun und in welchem Geschäftsbereich? Daraus stricke ich dann was fürs Arbeitsamt. Das kann zwei Tage dauern. Doch auch wenn er an jeder Formulierung der oft dreiseitigen Begründung feilt, kommt es am Ende immer auf das Gleiche an: Öffentliches Interesse, also die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Wenn Herr Soundso bei Hewlett-Packard eingestellt wird, dann schaffen wir soundso viele Arbeitsplätze. Das ist im IT-Bereich jedoch schwierig zu belegen, denn so ein Spezialist sitzt alleine vor seinem Rechner und programmiert: Da hängt ja klassisch nichts dran.

Doch Arendt hat Übung - er macht das seit zwei Jahren. Da kennt man die Leute von den Behörden und ihre Verordnungen, sagt er, nette Leute im Übrigen. Nur im letzten Sommer hätte er kurz Schwierigkeiten gehabt. Da gab es eine neue Verordnung, an die bin ich nicht rangekommen. Wahrscheinlich sollten die einfach nicht mehr beide Augen zudrücken. Plötzlich wurden seine Anträge abgelehnt.

Nun sollte der Bewerber einen Hochschulabschluss haben und Hewlett dem Spezialisten ein Spezialistengehalt zahlen, 7000 brutto, mindestens. Arendt stellte sich darauf ein: Inzwischen lese ich die Begründungen ja schon selbst wie ein Beamter. Seine Erfolgsquote liegt bei mehr als 80 Prozent.