Es ist zum Heulen. Um 800 Prozent hat der Dax seit 1988 zugelegt. Gute Aktien haben sogar noch viel mehr gebracht. Wie leicht hätte man ein Vermögen machen können. Wenn einem nur jemand rechtzeitig den richtigen Tipp gegeben hätte. Die Fachleute der Banken zum Beispiel oder die schlauen Autoren von Börsenbüchern. Aber auch die sind immer nur hinterher schlau.

Vielleicht sollte man auch nicht auf solche Experten schauen, sondern auf wirklich große Geister. Auf Kant und Schopenhauer zum Beispiel. Oder andere Philosophen. Die verstanden nämlich etwas vom Sparen. Theoretisch verachteten sie das Streben nach Geld und Gut zwar als eine hirnlose Tätigkeit. Reichtum sei ekelhaft, schrieb Friedrich Nietzsche voller Abscheu. Praktisch allerdings hatten die meisten Denker eine goldene Hand, wenn es ums Geld ging.

Mit einer Ausnahme: Karl Marx. Von Wirtschaft mag er ja etwas verstanden haben, auf keinen Fall aber etwas vom Wirtschaften. Das Geld zerrann ihm nur so zwischen den Fingern. Wäre da nicht ein reicher Industrieller gewesen, hätte es wohl ein schlimmes Ende mit ihm genommen.

Die meisten Philosophen waren jedoch von anderem Kaliber. Arthur Schopenhauer kannte sich mit Wechselgeschäften und internationalen Schuldverschreibungen bestens aus. Und dass man sich dabei nicht auf Banker verlassen kann, hatte er wohl während seiner Banklehre mitbekommen. Jedenfalls sprang er mit ihnen ähnlich grob um wie mit seinem Dienstpersonal, das er schon mal die Treppe hinabwarf, wenn es nicht parierte.

Lohnend ist auch das Studium von Immanuel Kant. Wiewohl er aus ärmsten Verhältnissen kam, brachte er es auf ein stattliches Vermögen, das er je zu einem Drittel in Schuldscheinen, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen anlegte.

Auch von Nietzsche können Sparer viel lernen. Vor allem, wie man richtig haushält. Obwohl er nur über eine Minirente und ein ganz kleines Aktiendepot verfügte, führte er ein standesgemäßes Leben zwischen Riviera und Engadin, unternahm weite Reisen und finanzierte dabei noch seine Bücher selbst, als kein Verlag sie mehr haben wollte.

Woran liegt es, dass die Philosophen das Geld einerseits verabscheuten, andererseits aber gut mit ihm umgehen konnten? Vielleicht liegt der Grund ja gerade darin, dass sie beides taten. Vielleicht muss man Geld erst verachten lernen, um es zu vermehren. Vielleicht muss man es so sehr verachten, dass man seine ganzen Ersparnisse gleich nach einem großen Crash, so wie 1988, zur Börse bringt. Vielleicht ist das der Weg zum Reichtum. Die Krux ist nur: Was nutzt der schönste Reichtum, wenn man ihn dann ekelhaft findet? Es ist zum Heulen.