Nein, mit dem Atomkraftwerk und seinen Betreibern möchte man es sich nach wie vor nicht verderben in Gundremmingen. Schließlich ist das größte deutsche Kernkraftwerk sogar im Ortswappen verewigt, und man will in der 1350-Seelen-Gemeinde auch nie vergessen, woher der Geldsegen kommt. Ohne den Stromgiganten am Ortsrand würde Gundremmingen heute nicht 20 Gewerbeflächen und 100 Mietshäuser in der bayerischen Landeshauptstadt München besitzen

hätte die Gemeinde kein 30 Millionen Mark teures Gemeindezentrum und sicher auch keinen 16 Meter hohen Torturm mit vergoldeter Kugel unter der Wetterfahne. Und doch regt sich Unmut in einer der reichsten und bislang atomfreundlichsten Kommunen Deutschlands.

Der Grund dafür ist das geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente, das die Betreiber von Gundremmingen, die RWE und das Bayernwerk, beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beantragt haben. Zudem wollen die Kraftwerksbetreiber die elektrische Leistung der beiden 1344-Megawatt-Blöcke um insgesamt 212 Megawatt erhöhen - hierzulande der größte Ausbau der Atomkraft in den vergangenen 15 Jahren. Schon jetzt produziert das Atomkraftwerk rund 20 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Der Antrag auf Leistungserhöhung liegt beim bayerischen Umweltministerium zur Genehmigung und beim TÜV Süd zur Begutachtung vor. Der Darmstädter Atomexperte Christian Küppers warnt vor einem noch "größeren Risiko als beim Neubau eines Atomkraftwerkes". Trotzdem soll das Verfahren ohne öffentliche Anhörung über die Bühne gehen. "Wenn in Berlin wirklich der Ausstieg gewollt wird, kann man nicht hinnehmen, dass in Gundremmingen die Reaktoren mit höherem Druck und höherer Leistung gefahren werden", kritisiert Raimund Kamm, Vorstand der Energiewende atomkraftfreies Schwaben, das Vorhaben.

In Gundremmingen interessieren sich nur wenige für diese Leistungssteigerung.

Wirbel aber gibt es um das geplante Zwischenlager. Es sei zu befürchten, "dass die Gewerbeansiedlung in Gundremmingen sehr rückläufig sein wird.

Ähnliches gilt auch bei der Wohnbebauung. Wer möchte schon, wenn er sehr sensibel zur Kernenergie steht, neben einem Zwischenlager sein Haus errichten?", sagt Bürgermeister Wolfgang Mayer, wobei der Gemeindechef übergeht, dass bislang kaum jemand in Gundremmingen "sensibel zur Kernkraft" steht.