Den Glanz bekommen am Ende nur die Fahrer

Längst ist es vorbei mit dem alten Abenteuergeist der fünfziger Jahre, als einige Fahrzeuge noch aus verwegenen Bastelstuben stammten - und Autorennen eine Sache für Gentlemen und Playboys waren, die am Wochenende mal richtig Gummi gaben. In den Rennteams arbeiten heute hoch spezialisierte Experten, und einige dürfen am Vorabend des Rennens nicht einmal ein Bier trinken.

Klinischer als beim Motorenhersteller Ilmor kann man sich die Arbeit kaum noch vorstellen: Da sitzen im ersten Stock die Designer - Stars aus England, aber auch Japan und Deutschland - und rechnen per Computer an dreidimensionalen Darstellungen von Motorteilen herum. Wenn sie fertig sind, können sie das Ergebnis elektronisch in die Montagehallen weitergeben: Da stehen blitzblanke Roboter und Maschinen aus Japan, der Schweiz und Deutschland

vollautomatische Riesen, die stunden- und tagelang ohne menschliches Zutun fräsen, schleifen und stanzen.

Die unterkühlte technische Arbeit ist die Anorak-Seite des Motorsports: Den Glanz am Ende bekommen schließlich die Fahrer ab oder allenfalls flamboyante Rennstallchefs wie Eddie Jordan. Aber: "Es ist der Traum für jeden Ingenieur", sagt Mario Illien. Schließlich darf er hier in Northamptonshire eines der teuersten Spielzeuge der Welt zusammenbauen, und Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Nach Branchenschätzungen wird in einen McLaren-Mercedes vier- bis fünfmal so viel Geld gesteckt wie in das Vehikel eines kleinen Teams.

Da passt es ganz gut, dass der Sport trotz allem eine liebenswürdige britische Eigenart bewahrt hat - die Liebe zum Underdog, zum ewigen Verlierer. So hat der umtriebige Motorsportunternehmer Tom Walkinshaw, dessen Firma TWR zum Beispiel den Benetton-Rennstall groß machte, 1996 ausgerechnet das britische Team Arrows unter seine Fittiche genommen. Arrows hat seit seiner Gründung 1978 überhaupt noch nie einen Sieg errungen und kämpft bei Rennen vor allem darum, nicht im Kiesbett zu landen. Woran sich das Big Business übrigens inzwischen nicht mehr zu stören scheint: Am vergangenen Wochenende gab Arrows einen Sponsorenvertrag über 70 Millionen Pfund mit der Mobiltelefonfirma Orange bekannt.