Bei schönem Wetter ist Gerhard Schröder unschlagbar. Er triumphiert nicht über die Affäre, die den Namen seines Vorgängers Helmut Kohl trägt. Und die Zeit vergeht wie im Flug. Schröder, gestern noch Lehrling im mächtigen alten Staatsratsgebäude, lernt schneller als der junge Kohl. Seine Gesellenjahre beginnen.

SPD-Vorsitzender hat er wirklich nicht werden wollen. Man hätte sich denken können - und die öffentliche Interpretation des Konflikts verlangt das geradezu -, dass er dem bösen Oskar Lafontaine Steine nachwerfen würde, nachdem der über Nacht seinen Vorsitzendenjob quittierte. Das Gegenteil ist der Fall.

Man traut seinen Ohren nicht. Wer da alles gut wegkommt. Von den Linken wie Peter von Oertzen bis zu Brigitte Seebacher-Brandt, über alle gibt es nur Freundlichkeiten. Und wer ihn hart kritisiert, muss damit rechnen, zur Strafe zum Abendessen eingeladen zu werden. Schröder zählt nicht zu den geborenen Avantgardisten, aber zum Mister Vorsicht mutiert er erst jetzt. Ein einsamer Entscheider? Jedenfalls ist er weder Carl Schmitt noch Helmut Schmidt.

Und die Linke? Oskar Lafontaine hat die Fassade gebildet, hinter der sie manche vermuten, aber nachdem er weg ist, wird sichtbar, dass da fast nichts mehr war. Die Sozialpolitiker aus Tradition sind nicht "links". Nicht einmal der "Vulgär-Keynesianismus", für den Lafontaine geprügelt worden ist, hat noch eine Heimat. Letztlich sind es derzeit nur Teile der Gewerkschaften, vor allem der IG Metall, die sich in diese Bastionen flüchten.

Den wahren Beitrag zur Stabilisierung dieser fragilen Kanzlerschaft hat Schröder aber seinem Vorgänger zu verdanken. Der Holzmann-Rettungscoup, eine mikroökonomische Einlage nach Hannoveraner Geschmack, der brave Parteitag, die langsame Professionalisierung, das zählt alles nicht so viel, verglichen mit Kohls unfreiwilliger Hilfe.

Eine große Koalition schien - bis zur Kohl-Affäre - das zu sein, was die Wähler in Wahrheit wünschten. Was sie bekamen, war eine rotgrüne Regierung.

Die Kohl-Affäre wird der SPD keineswegs gutgeschrieben. Aber die Grünen als Chaospartei, Rot-Grün insgesamt als staatszersetzend, das wird man sich aus dem Mund der ultimativen Staatspartei CDU nach der Affäre so gerne nicht mehr anhören.