Erst Lafontaine, dann Kohl und schließlich Schäuble. Gerhard Schröder kann zufrieden sein. Drei schwergewichtige Oppositionspolitiker sind von der politischen Bühne abgetreten. Das verschafft dem Bundeskanzler eine willkommene Verschnaufpause. Umso mehr, als gleichzeitig die deutsche Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, nicht zuletzt wegen der angekündigten Steuerreform - allen Unzulänglichkeiten und Halbherzigkeiten zum Trotz. Vor ein paar Monaten dachten viele, die erste Legislaturperiode sei für Gerhard Schröder auch die letzte. Jetzt sieht es nach allen Umfragen so aus, als würde ihm das Wahlvolk zu weiteren vier Jahren an der Macht verhelfen wollen.

Danach, so hat Schröder selbst schon angekündigt, werde er als dann 62-Jähriger freiwillig abtreten und Platz machen für einen Jüngeren.

Aus der Perspektive des Londoner Finanzmarktes allerdings muss man sagen, dass solche Gedankenspiele einigermaßen verfrüht sind. Die rot-grüne Regierung hat die kritische Phase noch lange nicht überstanden. Im Gegenteil, in mindestens drei Bereichen der Wirtschaftspolitik wären folgende Leitgedanken angebracht.

Erstens: Währungspolitik und Strukturreformen. Die derzeitige Euro-Schwäche ist für Deutschland gut und schlecht zugleich. Sie macht deutsche Waren im Ausland billiger und ist deshalb gut für Exporte und Konjunktur. Aber sie ist schlecht für die Akzeptanz der neuen Währung. Dieses Problem allerdings sollte nicht weiter stören. Die Überbewertung von Dollar und Pfund wird immer offensichtlicher. Der Euro-Kurs wird sich im Verlauf dieses Jahres aller Wahrscheinlichkeit nach von allein korrigieren. Wenn Schröder klug wäre, würde er nun Folgendes tun: Er würde die Euro-Schwäche in der Öffentlichkeit als Indiz einer unzureichenden Reformpolitik in der Ära Kohl verkaufen - und gleichzeitig verkünden, dass eine Euro-Hausse im Zuge seines energischen Anpackens der Strukturprobleme bereits programmiert sei. Auf diese Weise könnte er die Schwäche des Euro den Versäumnissen seines Vorgängers anlasten, eine künftige Verstärkung als Ergebnis seiner Reformpolitik aber selbst verbuchen.

Zweitens: Steuer- und Industriepolitik. Schröder begeht einen Fehler, wenn er, wie es den Anschein hat, Großunternehmen begünstigt und dem Mittelstand Knüppel zwischen die Beine wirft. Stattdessen müsste die Regierung beschließen, Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften steuerlich zumindest ähnlich zu behandeln. Das könnte zwar nicht vollends den Eindruck beseitigen, dass Schröder eine Vorliebe für das Großunternehmertum hat. Es hätte aber positive psychologische Auswirkungen auf den Mittelstand.

Steuerliche Anreize, mit denen kleinere Unternehmen zum Besitzerwechsel und damit zur Bewältigung von Nachfolgeproblemen angeregt werden, sind dringend nötig. Solche Anreize könnten mit weiteren steuerpolitischen Maßnahmen einhergehen, mit denen Existenzgründungen in der High-Tech-Branche angeregt würden - einem Bereich, in dem Deutschland bereits jetzt höchst ermutigende Signale aussendet.

Drittens: Privatisierung und Altersversorgung. Schröder muss die zentrale Bedeutung dieses Zusammenhangs begreifen: Die Privatisierung staatlicher Einrichtungen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene ist der Schlüssel zur Lösung der deutschen Rentenprobleme. Die Erlöse nämlich würden Steuerentlastungen ermöglichen. Der Steuerzahler wiederum könnte das gesparte Geld auf dem Kapitalmarkt investieren und damit zumindest einen Teil seiner Rente finanzieren. Schon in der Vergangenheit hat sich Schröder zu Recht für eine verstärkte Deckung der Renten durch private Spareinlagen ausgesprochen.