Die Einrichtung von Hochschulräten ist vor allem vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), einer Institution der Bertelsmann Stiftung, propagiert worden. Seit Jahren gibt es kaum eine Veranstaltung zur Hochschulreform, auf der das CHE nicht präsent wäre, um seine aus dem Instrumentarium betriebswirtschaftlicher Theorien gespeisten Hochschulreformvorstellungen, die im Wesentlichen eine Transformation der Konzepte des New Public Management auf den Hochschulbereich beinhalten, zu propagieren. Die grundlegende Annahme des New Public Management besteht darin, dass eine Übernahme der Organisationsprinzipien der am Markt operierenden Unternehmen auf dem öffentlichen Sektor stattfinden muss, um Effektivität und Effizienz zu gewährleisten. Bei der Einrichtung von Hochschulräten geht es darum, die Institution des Aufsichtsrates auf das "wissenschaftliche Unternehmen" Hochschule zu übertragen. Außerdem wird das neoliberalistische Konzept vom "schlanken Staat" ins Spiel gebracht, nach dem sich der Staat auch aus der Regie der Hochschulen zurückzuziehen und diesen Bereich den Steuerungsmechanismen des Marktes zu überlassen habe. Dass im Hochschulrat der TU München fast ausschließlich Repräsentanten aus den Chefetagen großer Unternehmen vertreten sind, ist insofern konsequent, da denen am ehesten zuzutrauen ist, das "Unternehmen Hochschule" so zu führen, dass es sich am Markt durchzusetzen vermag. Ebenso ist es schlüssig, dass das CHE seine Auszeichnung "best practice Hochschule 2000" der TU München zuerkannt hat, weil dort offenbar das CHE-Konzept in konsequenter Weise umgesetzt wurde.

Das Hochschulkonzept zielt also darauf ab, das parlamentarisch-demokratische System auf der staatlichen Seite und das Selbstverwaltungssystem auf der Hochschulseite weitestgehend aus den Entscheidungsprozessen über die Entwicklung des Hochschulsystems herauszuhalten. Das Konzept für die Einrichtung von Hochschulräten hat durchaus deutliche Konturen, nur in der Umsetzung zeigen sich noch Unebenheiten, von denen allerdings zu erwarten ist, dass sie eingeebnet werden, wenn die Ökonomie ihren Siegeszug gegenüber dem politischen System weiter erfolgreich fortsetzt.

Werner Hoffacker Universität Bremen