Wochenschau in den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin. Der Dramaturg Martin Baucks hat den Spiegel studiert und ausgewählt, Stefan Otteni inszeniert. Auf einer Bühne im Foyer lesen Schauspieler die Texte vor.

Inklusive Anzeigen. "Konrad Adenauer, 104" und sein "Merkelchen, 42", eine Kittelschürze aus dem Volke und ein Trainingsanzugsmann Marke Sport auf der Suche nach Satire. Die Kammerleute wollen ins Lächerliche ziehen und, mit dem gleichen Griff ins Ernsteste, die wöchentliche Spiegel-Soap mit ihren romantischen Helden und grimmigen Schurken durch Neumontage zu einer Art Stegreif-Aufklärung ummodeln. Das misslingt, naturgemäß. Weil garantiert sinnfreie Sätze wie "Es gibt bei Politikern ein ausreichend ausgeprägtes Empfinden dafür, was sich gehört" der Erhellung nicht mehr bedürfen. "Müller, Müller!", bejubelt das vollzählig erschienene Berliner Spiegel-Büro das Diktum des Wirtschaftsministers. So gibt auf "Adenauers, 104" drängende Frage, was heute noch konservativ sei, die Form des Abends selbst eine Antwort. Bedeutungsvolles Zitieren per Blinzeln über den Brillenrand ist noch kein Modus für neue Erkenntnisse. Dem widerstreben die trivialen Tatsachen aus dem Produktionsbüro des Fortsetzungsdramas namens Deutschland. Die Spiegel-Wirklichkeit kabarettistisch zu illuminieren ist nur lächerlich.

Vorhang. Nächste Lieferung am kommenden Wochenende.